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selbst, mitten in die Alpen hineingebaut, abentheuerlich und selt-sam, dem noch die belebenden Gestalten aus den Fantasien WalterScotts abgehen.
Im grauen Kalkstein einer Felswand der innerrhodischen ''Eben-alp," 4620 Fuß über dem Meer, wölbt sich eine geräumigeHoble, die mehr denn hundert Fuß über der darunter grünendenBommeralp und ihren Heerden erhaben ist. Drinnen errichtetedie Andacht einen Altar, dem heiligen Michael geweiht; danebeneinen Kapellenthurm, dessen Glocke fünfmal des Tages geläutetwird. Ihr weit durch die Stille der Berge und Alpen schallenderTon ruft die Sennen eben so oft zum Gebet. Ueber der Grotteaber steigt der senkrechte Felsen noch einige Hundert Fnß himmel-wärts. Neben ihr ist eines bärtigen Kapuziners Einsiedelei zwi-schen Felsen geklebt, die auch eine Grotte formen, malerisch, wieAlles hier. Eine kleine Brücke führt am tiefen Abgrund zu ihr.Dieß noch nicht genug. Hinter des Einsiedlers Gemach klafft eineneue Höhle aus einander. Sie hat wohl 60 Schritte Breite und80 Schuh Wölbung. Beständig träufelt darin Wasser herab, wel-ches, von Kalktheilen geschwängert. Alles mit Tropffteinrindedeckt und überzieht. Hundert Schritte wandert man durch denBauch des Berges, bis sich der Weg verengert zu einer schmälernHöhle. Das Innere derselben ist von feuchter Mondmilch über-kleidet; der Boden voller Steintrümmer und Felsspalten. Es gebtüber diesem Schütte steil aufwärts. Der Eremit leuchtet mitstammendem Holzscheit voran. Man steht vor einer kleinen Thür.Sie wird aufgeschlossen, und es tritt uns ein blendendes Bildentgegen; eine fremde Alpenaussicht, blauer Himmel, Gebirg,glänzendes Wiesengrün, Halmen der Gräser wie durchsichtig. Esist keine Täuschung. Wir sehen umherirrende Rinder. Wir hörendas zeitweise Tönen ihrer Halsglocken. Wir sind durch das langeFelsengrab in die schönste aller innerrhodischen Alpen gelangt, indie Ebenalp, wo Hunderte von Kühen weiden.
Die gesummte Gebirgskette, wie sie ihrer Länge und in ihrenSeitenzweigen vom Kamor bis zum Säntis hinzieht, ist voll sol-cher Höhlungen ihres Innern. Viele mögen weitläuftiger seyn,als ihre engen Oeffnungen verrathen, die von den Hirten baldWetterlöcher, bald Windlöcher, Krystallhöhlen und Ziegenlöchergenannt werden. Viele mögen im Bauch der Berge mit einanderin Verbindung stehn. Aber wer wagt das Leben, um die Geheim-nisse der unterirdischen Nacht zu erforschen? Die Hirten der Alpenbauen ihre Milchhütten zu solchen Felslöchern, aus denen jeder-