Druckschrift 
1 (1836)
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170

Ich übergehe eine Menge andrer üblicher Spiele, die vonminder eigenthümlicher Art sind. Manche der in der Vorzeit gebräuch-lichen, oft lebensgefährlichen, worin nur rohe Kräfte sich ohneZweck erschlossen, wie im "Blocksest", da man ungeheure Baum-stämme in Prozession durch die Dörfer schleppte, sind im gleichenVerhältniß abgegangen, wie, mit größerer Gesittung, das Gefallenan geselligen Spielen des Witzes und heitrer Laune, oder an derKunst des Gesanges, wuchs.

Unter den öffentlichen Volksbelustigungen, die auch itzt nochwie ehemals, und weit allgemeiner, denn ehemals, beliebt sind,gehört das. Ziel- oder Scheibenschießen. Sonntags hört man fastin allen Dörfern, während der Sommerzeit, das Knallen der abge-schossenen Stutzer. Abwechselnd werden bald in dieser bald in jenerOrtschaftFreischießen" gegeben, bei welchen den Bestell derSchützen, die weit her aus den Umgegenden erscheinen, kostbareSiegespreise aufgestellt sind.

Ehemals waren diese Uebungen der Schützen auch in Deutsch-land gemeiner. Sie dienten zur Verbrüderung und Vergesellungder Völkerschaften. Beim großen Hauptschießen zu Stuttgard, imJahr 1500, sah man auch die Schweizer zahlreich. Man zählte daanderthalbtausend Schützen mit 06 Gesellschaftsfahnen; und unterden Schützen erblickte man Fürsten und Bauern beisammen um denPreis zielen. Bekannter noch ist das große Freischießen vonStraßburg im Jahr 1576, zu welchem die Züricher verhießen,so freudig und rasch zu eilen, daß ihr in Zürich gekochter Hirsbreinoch in Straßburg warm ankommen solle. Sie hielten Wort, in-dem sie zu Schiffe, mit ihrem Brei die Limmat, Aar und denRhein hinabschwammen.

Die in Deutschland zum Theil halb, zum Theil ganz erloscheneSitte dauert in der Schweiz, und nicht in Appenzell allein, son-dern in allen Kantonen ungeschwächt fort, ja in größerem Maas-ftabe, als vor Zeiten. Privatleute und Regierungen zollen ansehn-liche Gaben zu den Festen, welche durch Stiftung der sogenannteneid sgenössischen Freischießen wirkliche Nationalfeste geworden sind.Das erste von diesem gab die Schützengesellschaft der Stadt Aar au.Sie lud dazu die Meisterschützen der gesammten Eidgenossenschaftein. Es dauerte, unter Zudrang aus fast allen Kantonen, achtTage lang, und ebenso in nachfolgenden Jahren in andern Schweizer-ftädten. Beim eidgenössischen Schießen in Zürich, im Jahr 1834,dem glänzendsten, welches bisher sowohl in Rücksicht der großartigen«nd geschmackvollen Einrichtungen, als der Kostbarkeit und Menge