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Evangelium, Christo, Taufe, Sacrament oder christlichem Glaubengewußt haben? Was kann ein solcher Schreiber, Lehrer und Predi-ger anders vom christlichen Glauben halten, denn daß er sey allerleiGlauben gleich, und könne ein jeglicher in seinem Glauben selig wer-den, auch ein Abgöttischer und Epicuräer, wie Numa und Scipio?"
Zwingli war, bei aller Frömmigkeit seines Gemüths, ein lie-benswürdiger Mann, wohlwollend, heiter und reich an witzigenEinfällen. Er war Dichter, zugleich Musiker und Componift vier-stimmiger Lieder. Er spielte besonder's die Laute vorzüglich gut.Seine Gegner nannten ihn daher spottend den evangelischen Lau-tenschläger und Pfeifer. Dem Generalvicar Faber in Constanz ant-wortete er: „Auf der Laute und Geige, auch andern Instrumenten,lernte ich etwas, das kömmt mir izt mächtig wohl, die Kinderzu schweigen." Bekanntlich war er verheurathet, Vater vonzwei Söhnen und zwei Töchtern. Das heut noch in Zürich blühend«Geschlecht der Zwingli's stammt indessen nicht von ihm, sondern voneinem seiner Brüder in Wildhaus ab.
Mit seiner Gemahlin, Anna Reinhard, machte er in ZürichBekanntschaft. Sie stammte aus altadlicher Familie, wohnte inder Nähe von Zwingli's Pfarrwohnung, nnd war schon Wittwe zaber auch'noch im drei und dreißigsten Jahr eine schöne Frau. **)Wo irgend er in der Stadt predigte, war sie gewiß seine ZuHö-rerin, und saß sie, wie ihr neuester Biograph versichert, gewöhn-lich in der ersten Reihe seiner ZuHörerinnen. Ungeachtet beide ein-ander ihre Zuneigung gestanden, entschloß er sich doch erst vier oderfünf Jahre später zur Ehe. Priesterehe war damals noch ein Wag-stück, obgleich ihm andre schon mit Beispiel vorangegangen waren.— Sein Haus stand allen Fremden gastfreundlich offen, derennicht wenige nach Zürich kamen, den außerordentlichen Mann per-sonlich kennen zu lernen. So wenig ihn die Lästerungen, selbstNachstellungen seiner fanatischen Feinde schreckten (man warf ihmFenster ein, schoß auf ihn, verläumdete ihn in einer Menge vonFlugschriften als den leibhaften Antichrist), eben so wenig erregte dieöffentliche Bewunderung und der Ruhm, dessen er in Hütten undPallästen genoß, in seinem bescheidnen Selbstgefühl einigen Stol»
*) Luthers letztes Bekenntniß von des Herrn Nachtmahl.'
**) Der Oberkanzler Nicl. Arator in Schlesien, der im Z. tüSK de«»Herr Ulrich Zwingli mit seiner theuergeliebten Hausfrau" in Zürn»besuchte, nennt sie in der Beschreibung seiner Reise ».ein e,genUl»Lngelsweib.»