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von St. Gallen HauSchronik und Gebetbuch, diesen Fundgrubenzur Sittenkunde des Mittelalters. Außer dem gewöhnlichern Wild-pret und Fleisch zahmer Hausthiere, aßen sie damals auch vomFleisch der Steinböcke, Murmelthiere, Auerochsen und Wisentochsen,dazu Schwäne, Fasanen, Pfauen, Rebhühner, Kapaunen, Turtel-tauben und andres Geflügel. Sie schmeckten Alles aus. So großaber war ihre Andacht, daß sie sogar für jede Art der Speisen,die auf ihrer Tafel erschienen, eigene Tischgebete hatten. „Geseg-net sey das Biberfleisch!" (Kit I)vuvckit:ta I'iliri euro) beteten sie;„mögen keinem die in Schlingen gefangenen Vögelchcn schaden!" (ni!uooenitt ulli lle ckolfipulis volueeüi); „segne uns Gott die tausendgekochten Fischlein!" (milün ooetm'um deuockio!)o<z pi^eieulorum).
Aber noch in unsern Tagen ist für behaglichere Zustände derLeidenden und Kranken nur nachläßig gesorgt. Die Gebäude längsden Tamina - Ufern, im Klosterstyl gebaut, mit 400 Fuß langenGängen verbunden, haben zwar 70 — 80 bewohnbare Zimmer,aber sind ohne Oefen, oft unreinlich, feucht, kaum mit den nöthig-sten Mobilien versehen. Und dennoch reichen sie mehrmals nicht zurBeherbergung aller Gäste hin> die der Heilquelle froh werdenmögten. Es wäre ein Leichtes, das Wasser in fast ungeschwächterWärme, bis gen Ragaz in freundlicher Gegend zu leiten, woRaums genug zu finden wäre und für das Kloster größere Ein-künfte von der Anstalt zn gewinnen seyn würden. Vorschläge dafürsind mehrmals, doch vergebens gethan, so wie, unter den Regie-rungen der Eidgenossenschaft, Anträge, das Bad zn kaufen undes zum Gemeinbesten vortheilhafter einzurichten und zu benutzen.Vielleicht ist die Erfüllung des frommen Wunsches nun der Re-gierung des Kantons St. Gallen vorbehalten, in dessen Gebierdie Abtei Psäffers und zwar im Bezirk Sargans liegt, der reichan Erinnerungen aus dem romantischen Mittelalter und an wahr-haft romantischen LandschaftSbildern ist.
Wen mahnt nicht schon dieser Name Sargans an die Tageund Schicksale des alten, mächtigen und vielverzweigten Ge-schlechts der Grafen von Werdenberg, an die Abenthener desHelden, der in den Freiheitskriegen Appcnzells Hirtenkleider an-legte! — Und wie bald und tief sank dieser uraltadelige Stammin sich selbst modernd zusammen! — In die Linien Werdenberg-Heiligeuberg und Werdenberg-Sargans getrennt, zerstöhrten diefeindseligen Brüder, in ewiger Fehde unter einander, Macht undRuhm ihres Hauses, bis Alles verschwunden war. Einst mit ihremBesitzthnm weit durch Schwaben und Nhätien verbreitet, verarm-