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Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt : sein Selbstbiograph.
Entstehung
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Aber sagst Du immer „die freiwillig sündigen — haben keinOpfer mehr." Hebr. 19, 26. Antw.: übersetzen wir mit den Mei-sten cxoiMke: muthwillig.sündigen, so gchts Dich nichts an.Denn muthwillig sündigest Du nicht. 2) Ucbersetzen wir: wenn wir— vorsätzlich verleugnen, so geht das eher den Petrus, den Dc-mas, den Hcrmogenes w., als Dich an. 3) Ucbersetzen wir das vo-luntiuno freiwillig, so ist dieser unser freier Wille doch eben sovon Fleisch und Blut, von T. und Welt gehemmt, bestürmt, ge-reizt, versucht lind gnnsi genothzüchtigct, wie der freie Wille Petriim Vorhofc, oder wie im Gegensatze der freie Wille von der zuvor-kommenden, beihelfendcn, begleitenden und zum Guten erweckendenGnade, und wie wir uns eben wegen der Gnade das Gute nicht unsals Verdienst zuschreiben und darauf stolz scyn dürfen, so mag dieziehende, lockende, versuchende und reizende Welt, Fleisch und T. imBösen wohl auch unsre Freiheit hemmen, und unsre Sünde vorGott entschuldigen und verzeihlich machen, wie dort Petro. Dennwenn die in uns vorherrschende Sünde thut, was wir nicht wollen,so vollbringe es ja nicht ich, sondern die in mir wohnende Sünde,sagt Paulus Rom. 7,29.

Bruder! Es gicbt keinen Mittelweg, entweder glauben oder ver-zweifeln. Denn selbst unser bcßtcs Thun ist so schlecht und befleckt,daß wir ohne Erkenntniß und Bckcnntniß unsrer Schlechtigkeit, undohne Glauben Verdammte, Verzweifelte werden müßten, also heißts:Bogel friß, oder stirb! d. i>, glaub' oder verzweifle. Ehe wir dasthun, wollen wir lieber essen und glauben.

Alles sucht uns im Glauben an Christus zu hemmen und zuverwirren, und uns denselben zu schwachen, zu nehmen, zu tödten;thuts der B. und P., die Inquisition nicht, so thuts der T. und dieSünde. Dcßwegen ruft uns auch Paulus zu: Laß dich vomGlauben nicht abbringen und nicht vom guten Gewissen.Denn wie Einige dieses von sich stießen, haben sie auch im GlaubenSchiffbruch gelitten. 1. Tim. 1,19. 29.

Weil wir die Worte Hebr. 19, 26. und 6, 4— 6. nicht so neh-men und verstehen können, wiesle daliegen, so wollen wir dafürHebr. 19,38. 39. einnehmen; wollen uns durch die Lnk. 24, 47anbcfohlne Predigt der Buße schrecken, aber durch die gleichfalls dortbefohlne Predigt von Vergebung der Sünden wieder trösten lassen,und glauben, daß Christus allein unser Gnaden-Rock sey, den er denbußfertigen Gläubigen selber anzieht, damit uns der Vater nicht fürSünder, sondern als gerechte, heilige und fromme Leute ansehe, unduns das ewige Leben schenken möge. Aber diese Kunst zu glaubenlernt man nicht in dritthalb Jahren aus, wie das Schneider- oderSchuster-Handwerk. „Erst dünkts für Kinder zu gering, unddann zerglaubt ein Mann sich dran, und stirbt wohl, eh' ers glau-ben kann."

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