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Du jetzt, daß ein gut Gewissen und Furcht beisammen seyn können?O wie oft zitterte ich mit Christo und seinein Evangelio im Borhofedes Hohenpriesters. Wie sollst Du mit Deiner Bettzieche nichtzittern?!
46. Dein Gedanke über Liebe erfreute mich unaussprechlich,Ich will ja gern den Einen verbotnen Baum stehen lasse»damit ich das Recht habe, von Allen zu essen. Aber sage, mußman sich nicht die heilige Liebe versagen, weil der Satan und dasFleisch so gar nahe neben dem Geiste, und die menschliche so noth-wendig neben der göttlichen Liebe steht? Unter hundert sindnicht zehn Falle, wo die geistige und göttliche Liebe und Gcisteshm-monie nicht menschlich, oft gar fleischlich wird.
17. Dein Aufsatz über das Reich Christi gefallt mir; indeßist mir die wirkliche Kirche, die vor mir liegt, nichts als ein Barm-Herzigkeits-Kloster, wo Einer todtkrank, der Andere halb-, und fastKeiner ganz gesund ist; und wenn dieß in der Kirche Christinicht gilt, so bin wenigstens ich noch nicht darin, denn ich kränkle solang ich lebe. Wenn der Oberarzt Christus mich mit jenen Augenansieht, mit dem Er die 7 Bischöfe Ostend. 2. und 3. ansah, waswird Er zu tadeln finden? AlleS, selbst mein Beßtes.
18. Die Marssöhnc, die bei uns im Quartiere liegen, predi-gen den Gläubigen ein Evangelium fürs Fleisch, nämlich, daß eskeine Hölle gebe, und Ehebruch und Hurerep keine Sünde sey. Aberkein Einziges nimmt dieß Fleisch- und Thier-Evangelium an.Sie beten und bitten Dich um Fürbitte.
19. Denk nur, wie unbekannt ich meinen Nachbarn bin; dawollte heut ein Geistlicher bei mir Caplan werden, weil er wähnte,ich sey ein Freymaurer. Ich sagte ihm: Ich bin ein Christ, undglaube an Christus s ü r uns und in u ns, und glaube durchIhn frei zu seyn von Sünden, Tod und Hölle. Wenn Sie dasFreimaurcrey nennen, so bin ich Einer. Jetzt lachte er, und verach-tete meine Pietisterey.
exi.ii.
An Annas ch.
Den 7. Mai 181S.
Ich gratulirte dem H., daß er nach dem Schiffbruch dochnoch ein Bret von 769 Zoll, d. h. cin Bcncficium von 766 Gulden,erhalten hat. Ein Anderer sehnte sich mit Schmerzen danach. H>aber ist damit unzufrieden, und weint, daß ers hat, und der An-dere weint, daß ers nicht hat; ich kam mit meiner Gratulationübel an.
Umsonst nehmen alle Leute bei uns gern Bibeln an; selbst dieBlinde n, die Sehende n aber reißen sich ärger darum, als umZucker und Kasse. Ich wollte leicht 4666 Excmviare anbringen, nur