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Bon einem gewöhnlichen und langsamen Gnadengang, denich erst auch in diesen Tagen an einer Bauerin hatte, will ich DirFolgendes erzählen:
Eine Bäuerin mit 5 Kindern lag am Nerversicber schwer krankdarnieder. Als ich mit dem hl. Abcndmahle vor ihr Bette kam, lagihr öjährigcs Kind bei ihr im Bette. Was machst Du mit demKind im Bette? Du hängst ihm ja Deine Krankheit an, sagte ich.Sie: Es ist ja schon krank, es will aber bei mir liegen. Ich: WillstDu also vor Deinem Kind beichten? Sie: Ich weiß ja nichts zubeichten. Was? sagte ich, Du sollst keine Sünden haben, und ichbin voll Sünden. Sieh, der hl. Geist sagt: Wenn wir sagen, daßwir keine Sünden haben, so betrügen wir uns selbst. IJoh. k. Glau-be mir, Du betrügst Dich. Du bist voll Sünden. SelbstbctrogenwillstDu auch mich betrügen?c. Sic: Ja, es kann wohl seyn.Nun erinnerte ich sieandicßunddas. Allein sie erkannte und bekannteentweder nichts, oderAlles nur so trocken, ohne Reue und Gefühl. Jetztsetzte Zobo sich ans den Stnhl — und sie bis in die Hölle hinab, d. i.er zeigte ihr, daß sie nach dem tiefen geistigen Sinn kein einziges Ge-bot Gottes gehalten hätte, daß selbst ihre Gerechtigkeit (denn sie lebteehrbar und unbescholten) vor Gott ein Stinkendes sey. Es kannwohl seyn, war immer ihre Antwort, es kann wohl seyn! Zobobetete also die offene Schuld mit ihr, absolvirtc und gab ihr das hl.Abendmahl, und ging unzufrieden heim. Aber sich, was nun geschieht.
Des andern Tags ließ mir die Kranke durch ihre Schwester sa-gen: Ich möchte doch heut zu ihr kommen, sie müsse mir beichtenund recht geben; denn heute sey sie voll Sünden, wie ich ihr gesterngesagt hatte; Alles sey wahr. Als Zobo wieder an ihr Ster-bebette kam, streckte sie beide Hände nach ihm aus, küßte unddrückte die Hände und sagte: Wie wahr haben Sic mir gestern ge-sagt, daß ich kein einziges Gebot gehalten habe, daß selbst meine Ge-rechtigkeit und mein ehrbarer Lebenswandel vor Gott ein Stinken-des sey. Jetzt sehe ich es ein, und gestern sah ich nichts. Aber ichsehe uno fühle auch zugleich, daß mir Gott Alles verziehen habe. Mirist so wohl in meiner Seele, als ob ich im Himmel wäre ?c. Sosprach sie lange fort. Alle meine Predigten sielen ihr ein, sie erklärtesie sich und mir so treffend und tröstlich, daß ich ganz erstaunte,und Gott nicht genug danken konnte, weil ich an ihr eine neue, imGlauben selige Creatur erblickte. Was sagst Du zu dieser langsa-men Gnaden - und Thatsache?
Den dritten Tag starb sie und ihr Kind, das mit der Mutterkrank seyn und sterben wollte.
Mit ihrer Nachbarin, die ich eben so behandelte, die aber nichtstarb, kams weder zu einem solchen Sündcngcfühl, noch zu einemsolchen Gnaden- und Vcreinigungs-Gefühl. Und der letzte Fall istder gewöhnlichere, wie Du mir lieber glauben wirst. Bon
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