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Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt : sein Selbstbiograph.
Entstehung
Seite
56
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Bericht von einem Glaubens- und Leidensge-fährten des lieben Boos über die damaligeVerfolgung in Kempten.

Kempten, den 3. Februar 1797.

An einen Freund.

Nicht nur Vetter und Landsmann, Bruder in Christo sind Siemir. Um dcßwillcn liebe ich sie. Ich weiß, daß Ihnen Jesus Al-les ist. Auch mir ist er Alles; und daher kommt es, daß die Heidentoben und die Volker wüthen. Pf. 2. Ich will Ihnen, als einem Jün-ger des Herrn, gern meine, oder unsere, oder vielmehr des HeilandsGeschichte erzählen, denn der ists im Grunde, den man verfolgt, undden man ausrotten will. (Saul! Saul! warum verfolgst du mich?)

Es haben seit einiger Zeit, seit dem September 1766, einigeSeelen, darunter auch ich bin, den wahren Glauben an Zcsum ange-nommen, den sie vorher nicht hatten, nämlich einen solchen Glauben,daß es geglaubt heißt, nicht bloß einen wörtlichen oder historischen,sondern einen lebendigen, wie Christus ihn verlangte und wie ihndie Apostel erklären und predigten. Durch diesen Glauben, den wiruns nicht selbst gegeben, denn er ist ein Geschenk von oben, sind wirnun auf einmal aus unscrm Sünden-Elend herausgerissen, und indie Freiheit der Kinder Gottes versetzt worden. Dieser Jesus, denwir im Glauben aufgenommen haben, Joh. 1,12., hat uns dieseMacht gegeben, Kinder Gottes zu werden; Er ist unser Lamm, dasunsre Sünden wegnahm, Er unsre Gerechtigkeit und Heiligkeit, Erist es, durch den wir nun andre Menschen werden. Er machte unsdcmüthig, sanftmüthig, geduldig; Er half uns die Welt und Lüstedes Fleisches überwinden, daß die Sünde nicht mehr über uns herr-schen kann. —

Diesen seligmachenden Glauben verkündigten wir auch Andern.Denn das war uns einleuchtend genug, daß dieser Glaube auch unterdenen, die sich Christen nennen, sehr fremd ist, daß sie nur das Aeu-ßerliche der Religion an sich haben, aber wenig oder nichts von Chri-stus in sich. Zur Verbreitung dieses Glaubens wählte Gott jetzt, wieallemal, die mindesten aus dem Volke, nämlich arme, geringe, unstu-dirte, einfältige Leute, die er schon durch besondere Wege führte undan sich zog, daß sie von der Welt nicht verführt würden. Diese Un-mündigen, überzeugt und unerschütterlich fest in dem Glauben anChristus für uns und in uns, unsere Gerechtigkeit und Heiligung,gingen hie und da zu einem Nachbar oder Bekannten, und sagten:du bist noch ein Jude, du bist noch unter dem Gesetze, hast noch kei-nen Glauben an Jesum, hast nur den Moses, aber Jcsum den Hei-land nicht. Du mußt Buße thun, mußt ein Kind Gottes werden,mußt das Verrraucn auf die Werke des Gesetzes fahren lassen; Chri-