18't Von der lautern und vollständigen Selbstergebung ?c.
du allzeit dabei gewinnen! Denn es wird dir größereGnade zugeleget werden, so bald du dich selber auf-gegeben und nicht dich wieder genommen hast. —
Herr, wie oft soll ich mich aufgeben, und worinnensoll ich mich verlassen? —
Allzeit und zu jeder Stunde, gleichwie im Kleinen,so auch im Großen! Nichts nehme ich aus, sondernin Allein will ich, daß du nackt und bloß erfundenwerdest. Wie kannst du anders mein eigen sein, undich dein, wo du nicht innerlich und äußerlich alleseigenen Willens beraubet bist? Je schneller du solchesthust, um so besser wirst du es haben, und je voll-ständiger und aufrichtiger, desto mehr wirst du mirgefallen und desto Größeres gewinnen.
Z. Etliche ergeben sich, aber mit einigem Vorbehalt.Sie vertrauen nämlich Gott nicht völlig, darum thunsie sehr geschäftig, sich selbst zu versorgen. Etlicheauch bringen sich anfänglich ganz dar, aber nachmals,wenn eine Versuchung bei ihnen anklopft, kehren siezum Eigenen zurück; darum fördern sie gar nicht inder Tugend. Diese gelangen nicht zur wahren Freiheitdes reinen Herzens und zur Gnade meiner freundlichenVertraulichkeit, so nicht vorher eine vollständige Er-gebung und eine tägliche Aufopferung ihrer selbst ge-schehen, ohne welche eine fruchtbare Vereinigung nichtbestehet, noch bestehen wird.