Von Erduldung des Unrechts ic. ^43
daß du deine so sehr geringen leichter tragest. Undwenn sie dir nicht so sehr geringe scheinen, so siehezu, daß nicht deine Ungeduld auch Solches verursache!Doch sie mögen klein oder groß sein, befleißige dichnur, alle geduldig zu tragen! (Hebr. 11 u. 12.)
2. Je besser du dich zum Leiden schickest, um soweiser handelst du, und um so mehr wirst du gewin-nen; du wirst auch gelinder tragen, wenn du mit demHerzen und williger Uebung nicht säumig dazu dichbereitest. Und du sollst nicht sagen: Dieß mag ichvdn einem solchen Menschen nicht leiden, und ich brauchedergleichen nicht zu dulden; dem: er hat mir großenSchaden zugefügt, und rücket mir vor, was ich niegedacht hatte; aber von einem Andern will ich's gernleiden, und will's ansehen als Etwas, das man leidenmuß. Das ist ein unverständiger Gedanke, der dieTugend der Geduld nicht betrachtet, noch von wemsie gekrönet werden soll, sondern vielmehr die Personenund die ihm zugefügten Kränkungen erwäget (Matth.5, 43 — 48).
3. Das ist kein wahrhaft Geduldiger, der nichtleiden will als nur so viel es ihm gut dünket undvon wem es ihm gefällt. Der wahrhaft Geduldige
i aber achtet nicht, von welchem Menschen er geübetwird, ob von seinem Vorgesetzten, ob von Seines-gleichen, oder von einem Niedrigeren, ob von einem