Von dem Gehorsam des demüthig Untergebenen :c. 131
wer Besonderes zu haben sucht, verlieret das Gemein-same. Wer nicht gern und aus freien Stücken sichseinem Oberen untergibt, der bezeuget, daß sein Fleischihm noch nicht vollkömmlich gehorchet, sondern oftmalshintenausschläget und entgegenmurret. Lerne darumschnell deinem Oberen dich unterwerfen, wenn du daseigene Fleisch zu unterjochen wünschest! Denn rascherwird der äußere Feind überwunden, wenn der innereMensch nicht verwüstet ist. Es ist kein beschwerlichererund schlimmerer Feind der Seele, als du dir selber,so du nicht wohl mit dem Geiste übereinstimmest. Dumußt durchaus eine wahre Verschmähung deiner selbstannehmen, wenn du die Oberhand erhalten willstwider Fleisch und Blut (Matth. 20, 25—28. 23,1 — 12. Rom. 13, 1 — 10).
2. Weil du dich selbst noch gar zu unordentlichliebest, darum zitterst du, dich völlig Anderer Willenhinzugeben. Aber was ist's Großes, wenn du, derdu Staub bist und Nichts, um Gottes willen dicheinem Menschen untergibst, da ich der Allmächtige undAllerhöchste, der ich Alles aus Nichts geschaffen, michum deinetwillen dem Menschen demüthiglich unter-worfen habe? Ich bin der Allerdemüthigste undNiedrigste geworden, auf daß du deinen Hochmuthdurch meine Demuth überwinden möchtest. Lerne ge-horsam sein, Staub! Lerne dich demüthigen, Erde