96 Von dem königlichen Wege des he'.ligen Kreuzes.
der Geist durch innerliche Gnade gekräftigt. Und zuZeiten wird er aus Begierde der Trübsal und Wider-wärtigkeit, der Liebe halben der Gleichförmigkeit desKreuzes Christi so sehr gestärket, daß er ohne Schmerzund Trübsal nicht möchte sein wollen, weil er glaubt,daß er Gott um so viel angenehmer sei, je mehr undje Schwereres er für jhn hat ertragen können. Dasist freilich nicht des Menschen Tugend, sondern dieGnade Christi, welche so Großes kann und wirket indem gebrechlichen fleische, daß, was er allzeit vonNatur verabscheuet und fliehet, er eben dieß mit Inbrunstdes Geistes suchet und ljebet (Hebr. 4, 14.— 5, 19).
9. Es ist des Menschen Natur nicht gemäß, dasKreuz tragen,.und das Kreuz lieben, den Leib kasteienund der Knechtschaft unterwerfen, Ehren fliehen, Schmachgerne aushalten, sich selbst mißfallen und wünschen, ver-schmähet zu sein, alles Widerwärtige nebst Schadenerdulden, und keine Wohlfahrt oder Glückseligkeit indieser Welt begehren. Wenn du auf dich selbst blickest,so wirst du der keins aus dir selbst können; wenn duaber auf den Herrn vertraust, so wird dir Stärke vomHimmel herab gegeben, und Welt und Fleisch werdendeiner Botmäßigkeit unterworfen werden. Aber duwirst als Feind auch den Teufel nicht fürchten, so dumit dem Glauben bewaffnet und mit dem Kreuze Christibezeichnet bist (Phil. 4, 12.13).