Von einem frommen und friedsamen Menschen. 71
Siehe, wie fern du noch bist von wahrer Liebe undDemuth, welche über Niemand kann zürnen oder un-willig werden, denn nur über sich selbst. Es ist nichtsGroßes, mit guten und sanftmüthigen Menschen um-gehen, denn das gefällt von Natur Allen, und einJeglicher hat gern Frieden, und liebt mehr, die mitihm eines Sinnes sind; aber mit harten und verkehr-ten, oder ungezogenen, oder uns widerwärtigen Leutenfriedsam leben können, das ist große Gnade, das istäußerst loblich und ein männlich Werk (Rom. 12, (8.Hebr. 12, 14. Eph. 4).
3. Es gibt Menschen, die sich selbst im FriedenHaltes und auch mit Andern Frieden haben.' Es gibtauch Solche, die weder Frieden haben, noch Andereim Frieden lassen; diese sind anderen Leuten beschwer-lich, aber sich allzeit am beschwerlichsten. Es gibtserner Solche, die sich selbst im Frieden bewahren,und Andere zum Frieden zurückzuführen sich bemühen.Jedoch ist all unser Friede in diesem elenden Lebenvielmehr in demüthiges Dulden zu setzen, als darin,dass man nichts Widriges fühle. Wer am besten zuleiden weiß, wird den größten Frieden behalten. Derist sein eigener Ueberwinder und ein Herr der Welt,ein Freund Christi und des Himmels Erbe (Kol. 1).