Hunderttausend Thaler hatte die Agraffe getastet, die de» Purgar-mantel hielt, und zehntausend Thaler tastete jeder Knaps an demScharlachracke. In ähnlicher Pracht falgte die Königin, geführt vonzwei Markgrafen, des Königs Stiefbrüdern, deren einer, trotz derKälte, auf der Reise nach Königsberg seine erlauchte Schwägerin vomBocke herab kutschirt hatte, „nur mit einem Staatsracke, graßer Perückeund seidenen Strümpfen angethan."
Am Portal der Schloßkirche wurden die Majestäten von den zweineu ernannten Bischöfen empfangen. Nach der Liturgie salbten dieseden König und die Königin an Hand und Haupt mit geweihtem Oele,wobei das Ceremonicll so eingerichtet war, daß daraus hervorging:Nicht etwa durch diese Salbung, sondern unmittelbar von Gott em-pfange der König seine neue Würde.
Nach dem Gottesdienste wurde das herrliche Königsmahl mitgrößter Pracht und Umständlichkeit gehalten. Die höchsten Herrschaftenspeisten von goldenem Geschirr, von siebenundzwanzig Knmmerjunkernbedient.
Für das Volk war durch Preisgebung des althergebrachtenKrönungsochsen und des Springbrunnens gesorgt, der den rothen undweißen Wein spendete. Feuerwerke, Hetzjagden und allegorische Dar-stellungen aller Art beschlossen die Festlichkeit.
Auch eine Amnestie wurde verkündet, die sich aber auf die Be-leidiger göttlicher und weltlicher Majestät nicht erstrecken sollte, auchsollte Dankelmann, wie ausdrücklich bemerkt, nicht Theil daran haben.
Erst am 8. März 1701 wurde die Heimreise angetreten, und derKönig traf am 6. Mai in Berlin ein, wo die prachtvollsten Empfangs-feierlichkeiten seiner warteten. Die Provinzen gratulirten durch Ab-geordnete und brachten eine ansehnliche freiwillige Kronensteuer dar.
Noch waren die letzten Festklänge der Krönungsfeierlichkeiten aberkaum verhallt, als an Friedrich, der als Friedrich I. den preußischenKönigsthron bestiegen hatte, schon der ernste Mahnruf erging, denPreis zu zahlen, für den Oesterreich seine Einwilligung zu PreußensErhebung gegeben hatte, „und treu und gewissenhaft erfüllte der Königin Preußen die Verpflichtungen, die der Kurfürst von Brandenburgübernommen hatte."