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Wiegenliedern zum großen Examen vor. Dann reiste er nach Königs-berg, Schmerzerfüllt sah ihn die junge Gattin scheiden; schien esihr doch fast unmöglich, was sie so sehnlich erwünschte. Um sogrößer aber war die Freude, als nach langen Tagen banger Er-wartung der Gatte, nachdem er das Examen rühmlich bestanden,zurückkehrte. Bald darauf erhielt er eine Anstellung als Pfarr-Ad-junkt in Bilderweitschen, woselbst er mehrere Jahre verblieb. ImJahre 1818 als Pfarrer nach Lengwethen berufen, blieb er 6 Jahreder Hirte dieser Gemeinde, Im November 1824 erhielt er die sehrgut dotirte Pfarre zu Kattenau, in welcher er bis zu seinem Todesegensreich ivirkte. Neben seinen geistlichen Geschäften betrieb ErnstLudwig mit besonderer Vorliebe die Landwirthschaft und die damitverbundene Zucht edler Pferde. In seinen geräumigen Stallungenhatte man Gelegenheit, 15—20 der edelsten Mutterstuten zu sehen.In der Landwirthschaft und Pferdezucht galt er als eine Autoritätersten Ranges, und als Pferdekenner war er in Litthanen weit undbreit bekannt.") Wer den vornehm aussehenden Mann mit demlebensvollen Auge, der kühn gebogenen Nase, der geistreichen Stirnhoch zu Roß über die Felder dahingaloppiren sah, nach rechts undlinks mit gebieterischer Stimme den Arbeitern Befehle ertheilcnd, diePeitsche in der einen Hand, mit der andern die Zügel fest und sicherführend, der hätte in ihm eher einen pensionirten Kavallerie-Offizierals den Seelsorger einer Dorfgemeinde vermnthet. Dennoch ver-nachlässigte er seinen Beruf keineswegs. Im Gegenthcill außer seinemPfarramte verwaltete er seit 1834 auch die Superintendentur desKreises Stallupönen, ein Amt, das mit nicht geringer Anstrengung
'0 Noch heute erinnert sich Verfasser des Ausspruches eines litthauischeuBauern, der gebrochen deutsch sprach. Als Verfasser nämlich im Jahre 1847auf Remonte-Kommando von diesem ein Pferd kaufte, hob bei der Musterungdes Thieres der vom Regiment beigcgebene Thierarzt einen Schönheitsfehlerbesonders hervor. Hierbei wurde der Stocklitthauer empfindlich und sagte: „Wasweiß dumm Thterarzt! Lieutenant, reit Du nach Kattenau, Suprtndent wirdDir sagen, was mein Pferd ist." Diese komische Aeußerung legt Zeugniß davonab, in welch hohem Ruf der Pfarrer als Pferdekenncr stand. Das litthauischeDorf lag 2 Meilen von Kattenau entfernt. Das erstandene Pferd erwies sichspäter als ganz vorzüglich.