Nach dem Tode des letzteren blieb dessen Gattin mit ihren beidenTöchtern Caroline und Wilhclmine bis zn dem Tage in Dirschan,da sie 1807, von den Franzosen vollständig ausgeplündert, nach Kö-nigsberg flüchteten. Hier wurden sie von Johann Heinrich aufge-nommen, der sich freute, Gelegenheit zu finden, die heilige Pflicht derDankbarkeit zu üben, Frau und Kinder des Mannes in Schutz zunehmen, der ihm selbst in seiner Kindheit ein gütiger Vater gewesenwar. Während des Ausbruches des Befreiungskrieges scheute JohannHeinrich in edelster Begeisterung keine Opfer für die nationale Sache.Im Kriege verwundete Offiziere erhielten als Rekonvalescenten inseinem Hause eine gastliche Aufnahme und erfreuten sich bei ihm derbesten Pflege.*) Auch des Verfassers verstorbener Vater gedenkt inseinen hinterlassenen Familiennachrichten der frohen und heiteren Stunden,welche er als Rittmeister im Jahre 1813 in dem gastfreundlichenHanse seines reichen und angesehenen Geschlechtsvetters verlebt hat,und rühmt die große Liebenswürdigkeit und die geistige Begabungder vortrefflichen, vornehmen Hausfrau.
Jni klebrigen war Johann Heinrich ein guter, geschickter Haus-halter und ein sorgsamer Vater seiner Kinder, auf deren Erziehung ergroßen Werth legte. Alle seine Söhne besuchten das Gymnasium biszur Prima; zwei von ihnen gelangten zur Universität; der eine erwarbdie philosophische Doctorwürde, der andere fiel als Offizier der fran-zösischen Fremdenlegion beim Sturm auf Algier, der dritte wid-mete sich der Landwirthschaft und der jüngste trat in die Fußtapfenseines Vaters, erreichte in der Handelswelt eine sehr geachtete Stellungund erfreute sich des Rufes wahrer Redlichkeit, Rechtschaffenheit undEhrenhaftigkeit. — Obgleich Johann Heinrich sich seiner adligen Ab-kunft bewußt war, führte er den Adel nicht, sondern nannte sich ein-fach Kalau, weil er es für höchst unpassend hielt, als Kaufmann mitseinem adligen Namen zu prunken. Ein gleiches Verhalten beobachteteauch später sein Sohn Carl Gustav.
Am 13. Juni l824 verschied nach kurzem Leiden Johann HeinrichsGattin Charlotte. Mit ihrem Tode erblich auch der Stern des häus-
*) Zu diesen gehörten auch die beiden Bettern, Lieutenants Johann Frie-drich und Benjamin K. v. H., letzterer bei Leipzig schwer verwundet.