Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

- 187

Abmagerung machte sich geltend, und in Folge der Spuren einer be-ginnenden Wassersucht mußte Geh. Medizinalrath vr. Biermer kon-sultirt werden. Aber die ärztliche Kunst konnte dem körperlichenVerfalle nicht Einhalt thun, und Hermann schrieb in einem eigen-händigen Brief, d. d. 29. April 1886, an den Verfasser!Willst DuDeinen alten Vetter noch einmal im Leben sehen, so benutze die schöneZeit des Wonnemonats und erfreue mich mit Deinem Besuch. Kommbaldigst zu mir!" Dieser liebevollen Aufforderung folgend, reisteVerfasser am 7. Mai nach Röhrsdorf, von dem Kranken auf demBahnhof empfangen. Am 11. d. Mts. wurde noch der GeburtstagHermanns, den er selbst als seinen letzten bezeichnete, im Kreise derVerwandten und befreundeten Nachbarn festlich begangen. Am13. Mai begab sich Verfasser auf einige Zeit nach Bodland in Ober-schlesien, doch am 9. Juni erhielt er einen sehnsuchtsvollen Briefseines leidenden Vetters, der ihn schon am folgenden Tage zur Rück-kehr nach Röhrsdorf veranlasste. Von Hermann wiederum aufdem Bahnhof empfangen, verlebte er mit ihm theils in Röhrs-dorf, theils in Fraustadt und in der Nachbarschaft, sowie inKamerun", einem von anserwählten L'hombrespielern gern be-suchten Lokale, Stunden froher Geselligkeit. So verfloß die Pfingst-woche bei Spiel und Unterhaltung in angenehmster Weise. AmSonntag, den 20. Juni jedoch, machte ein plötzlich eintretendesUnwohlsein Hermanns, der sich nach einem Mittagessen beiseinem Schwiegersohn Freiherrn v. Krane in Fraustadt wieder anden L'hoinbretisch gesetzt hatte, dem fröhlichen Treiben ein Ende.Entgegen dem Gebot des herbeigerufenen Hausarztes, den Fieberndenin Fraustadt zu belassen, bestand Hermann trotz aller Bitten derSeiuigen auf der Rückfahrt nach Röhrsdorf, die sodann gegen9 Uhr Abends erfolgte. Von seinem Sohne Fritz und dem Ver-fasser zn Bett gebracht, empfing der Kranke die ihm von seinerTochter zur Wartung und Pflege sogleich nachgesandte Diakonissinmit sichtlicher Freude. Nachts um 11 Uhr rief Hermann den Ver-fasser an das Krankenlager und nahm von ihm wehmüthigen Ab-schied, den Sohn Fritz seiner treuen Fürsorge empfehlend. Dieletzten Worte an den Verfasser, der den Krauken mit gerührten