Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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häuslichen Wirtschaft sie vollständig befriedigte. In der Leitungdes Haushaltes war sie sehr erfahren und besonders begabt, sparsamzu wirtschaften. Außerdem liebte sie Beschäftigung mit feineu Hand-arbeiten und besaß eine große Passion, verbunden mit einem beson-deren Talent, künstliche Blumen, die von den natürlichen nicht zuunterscheiden waren, anzufertigen. Ihre Liebhaberei für dieselben gingso weit, daß sie solche zu ihrer weiteren Ausbildung durch Vermitte-lung ihres Bruders Franz sich aus Paris kommen ließ. Auf diesemGebiete erreichte sie den Grad einer vollendeten Künstlerin. Das ein-förmige, stille Leben im Vaterhause gefiel jedoch Thusnelda für dieDauer nicht, weshalb sie wiederholentlich ihre Heimstätte verließ, umbei ihren verheirateten Schwestern Malwiue und Auguste längereZeit zu verbringen. Ueberhaupt empfand Thusnelda ein besonderesBehagen, wenn es ihr vergönnt war, sich auf Reisen zu begeben. ImJahre 1847 unternahm sie im Verein mit ihrem Bruder Franz eineReise nach Rußland, besuchte den bei Grodno lebenden Geschlechts-onkel, General von Hofen, der Beide mit großer Liebenswürdigkeitaufnahm.") Nach dem Tode des Vaters lebte Thusnelda bei derMutter, die sie in Gemeinschaft mit Schwester Antonie bis zum Endeihrer Tage gehegt und gepflegt hat. Von da ab lebte sie im Vereinmit der genannten Schwester, nach deren Tode sie zu ihrer ältestenSchwester Malwine von Mauschwitz übersiedelte. In ihrem4L. Lebensjahre entschloß sich Thusnelda, überredet durch die FamilieLuckenbach^ch, den Kaufmann Johann Gottfried Schier zu Heirathen;derselbe war Wittwer und hatte Lina Luckenbach zur Gattin gehabt.Eine Charakteristik dieses Mannes zu geben, ist Verfasser nicht in derLage, da er keine Gelegenheit gehabt hat, dessen persönliche Bekannt-schaft zu macheu. Die kinderlose Ehe Thusneldas währte fast neunJahre. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie in einem ununter-brochenen Siechthum, bis endlich ein Lungenschlag ihrem Leiden einZiel setzte. Sie verschied am 1. Januar 1874, beweint und betrauertvon ihren Geschwistern.

") Franz erhielt von ihm ein sehr schönes Pferd zum Geschenk.

") Auch von Mauschwitz und Bruder Wilhelm haben auf Thusnelda einengroßen Einfluß geübt, um diese Ehe zn Stande zu bringen.