Druckschrift 
Geschichte der Familie Baetcke
Entstehung
Seite
265
Einzelbild herunterladen
 

— 265 —

er bort gefunöen hatte. Der 5iemli<h uerwöhnte junge Plann, Fant bort nun in uiel einfacherePerhältniffe, aber bies gefiel hm geraöe. f)äufig hat er fpäter erjät^lt, öort erft 1jabe er esbegriffen, wie wenig eigentlich für ein glücFIihes, 5ufrieöenes Sehen nöthig fei.

(Er war es gewohnt, öes Pbenbs feine Stiefel uor öie ©hiire 3U fetjen, öamit fie ifjmgereinigt unö geputjt würöen. 3 n i ener nun fyielt öort in PTihigan jeöer £aitb=arbeiter fid] für ju gut, um eines anöeren Stiefel 3U putzen. Seine Cante Catfyarina abermochte ihm öas nicht fagen, unö in ihrer großen ^reunöIihFeit unterjog fie fih anfangs felbftöer Blühe, iljm öie Stiefel 3U reinigen. Unenblid) £?abe er fih gefhütnt, fo erjät^lte Philippoft, als er feine Cante einmal bei öiefer ilrbeit überrafht habe, unö uon jenem Cage anhabe er fogar einiges Pergnügen barin gefunöen, wäfyrenb feines Uufenthalts bei feinen Per*wanöten in Blihigan, fih feine Stiefel felbft 5U putzen. — 2tm Ubenb würbe wofyl mit öenbeiöen ©Ijeimen eine Partie L'ombre gemäht; gefpielt würbe um große Sonnen, niemalsaber, fo behauptete Philipp fpäter, habe er fih beffer beim L'hombre=S>piel amüfirt, alsgeraöe öamals. Zuweilen ridjtete Philipps überfd^äumenber £ebensmuth aud] wohl aller*hanö Fleines Unheil öort an. — (Einft fuhr er eine junge Dame im Schotten 5U einer Fleinen©efellfhaft auf eine bcnahbarte Farm. Unterwegs fhlug in einer großen Shneewehe öerSchütten um. Pas erfhrecffe Pferö brannte öurh unö lief öie junge Pame unö ihrenBegleiter im Shnee jurücF, bis anbere Schütten ihnen balö nahFamen. Philipp aber hattefolhe (Eile auf öie betreffenbe ©efellfhaft ju gelangen, öaß er niht ju bewegen war, öementlaufenen Pferöc nachzugehen unö es wieöer einjufangen. §unt ©liid! ftellte es fih amfolgenöen Cage uon felbft wieöer ein. (Ein anöeres Blal hörte fein ©nFel © u ft a u, wie erim ©arten fih im Schiefen mit öem Heuoloer übte. Pichls ©utes ahnenö, ging öer ©heimhinaus, um nahjufehen, was Philipp fih öenn als §kl ausgefuht habe. lüer befhreibtfein (Entfetten, als er bemerFte, baß öer Peffe fih barin übte, öie mit Bienen unö F}oniggefüllten BienenFörbe mit feinen Bügeln 311 öurhbohren. Philipp hatte es niht gewußt,öafj auh int IPinter öie BienenFörbe gefüllt feien, aber öamit würbe öie angerichtete^erftörung alleröings niht uerringert. —

(Eine d^araFteriftifhe, freunbliche Befhreibung Philipps lieferte 32 3 a h re fpäterfein Petter ©uftau 3 u üus in einem att mih gerichteten Briefe. Port heißt es unter anöerm:

„Stets fprahett wir mit Pergnügen uon Peines Paters Befuh bei uns.„3eft ftnö es 52 3 a h re h er - Pamals war ich H 3 a h re alt, unö feljr wohl„erinnere ih ntid) noh öer uielett Blale, öie wir 3ufammen 3ur 3 a 9& gingen;„wie öie ^röhlid)Feit mit ihm <£iit3ug hielt, niht in unferer Familie allein, fonöern„im gatt3en Be5irFe, öenn öamals ftanö er in öer Bliithe feines Sehens, unö feine„SebhaftigFett wirFte anftecFenö, wo immer er fih befinöett mohte. Bis er anFam,„brachte er 5wei prächtige Poppelflinten mit, eine leichte unö eine f dauere. (Er„wußte fie gut 3U benußen, öenn öie 3 a SÖ liebte er fehr. Buh miethete unö„hielt er fih öas fcßnellfte Pferö, öas er fih in öiefer ©egenö uerfhaffen Fotinte,„uttö ftets mähte es ihm Pergnügen anöeren uorbei 3U reiten. Perfudße er es„einmal, fo hat er es auh- <§tnei Silber Peines Paters, Bmbrotypes, befißeu„wir, öie hier genommen würben, ©ft betrachte ih fie unö öenFe öabei, es fei„Faum möglich, baß 32 3 a h re uerfloffett finö, feitöem er hier war, unö bafj er fo„jung geftorbeti ift. IPar er öoh ein folh ftarFer unö gefunö ausfehenöer Plann."

Körperlich utar Philipp in öer Chat eine jener prächtigen, Fraftftroßenben ©eftaltenöie fih in ihm nun fd)on in öer öritten ©eneration in unferer Familie wieöerholten. Ueberfehs F u fi h°h, breitfhultrig unö wohlgebaut, hatte er öurdj regelmäßige Seibesübungenfeine UTusFeln geftählt unö feine mächtigen ©lieber ftets gefd]ineiöig erhalten. Bis weit infeine 30 er 3 a h l 'e hi ,ie i n Pflegte er allmorgentlih 3- S. Freiübungen mit 3wei je SOpfünöigeneifernen Banteln uor3unehmen.

34