Druckschrift 
Geschichte der Familie Baetcke
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

— 256 —

cinftrömtcn. Seine Sd)mefter (Elifabetl), beren (Satte, feine Sd)mefter Btaria, fein ausBeutfd)Ianb an bas Kranfenlager herbeigeeilter Bruber Iftap, feine Braut, beren jüngereSd)mefter, fie alle medjfelten ab in 3ärtlichfter Pflege.

Die <Sefd)mifter aber, bie burd) ihre Pflichten in Beutfd)lanb feftgehalten mürben,metteiferten im Schreiben liebepoller Briefe, unb mit ihnen eine grojje ilnjahl feiner ^freunbe,bie uon feiner Kranfl)eit gehört hatten. Unter ben Briefen folcher ^reunbe befinben fich jtpeiBriefe bes profeffors peinrid) uon ©reitfd)fe, bie, meil fie befonbers manne ^reunbfd)aftathmen, h' er U)ortIaut folgen mögen.

„Berlin W., bjohensollernftrafje 8, © ctober f8?8.

„Sieber alter ^reunb,

„mit mahrem Kummer erfahre ich focben burch Beinen Bruber Utap pon Beiner„Kranffjeit. (Es brängt mid), Bir meine h er 3^Aen IDünfd)e 5U fdjicfen. Bu„muht uns mieber gefuub merben. 3^? bin ™ ^en Iahten ZTConaten in einer fo„unglaublichen IBeife befd)itnpft unb perleumbet morben, bah es felbft mir ab=„gehärtetem altem Streiter faft supiel mürbe unb id) mirflid) in Perfud)ung fam,„jum ZfTenfd)enfeinbe 3U merben. 3 n foldjer Sage hält man um fo treuer bie„menigeu peilen fcft, auf bie man fich Perlaffen fann. 3"^ glaube, ich h a be„meine alten t freunbe nie fo lieb gehabt, mie jeijt. Bie !cad)rid)t pon Beiner„Kranfheit h at tief betrübt; fd)onc Bid) nur recht, bah 2)u 2)id? balb im„fchönen tDeIfd)lanb ganj erholen fannft. Bort h°ff c ich ^ich i ,Tt rtächften„perbft 3U fehen. Bas Buch, pon bem ich o° r 5 lt> ei 3 a h re n ffn-'od), nähert„fich kern Ubfdüuh, es h a * mirflid) fo lange gebauert, mie id) bamals annahm.,,3d) hnbe mir felbft in biefen ^erien feinen einigen Cag (Erholung gönnen„bürfen unb fel)ne mid) red)t barnad), einmal mieber 311 geniefen unb 3U faullen5en.„3d) h^be nie in meinem Seben eine fo fd)mere Krbeit unter ben pänben gehabt,„unb id) hoffe, fie ift gelungen. 3<^ mill froh fein, rnenn meine Sefer nur einen„©heil beffen empfinben, mas id) beim Schreiben fühlte. (Es mar mir trot) aller„ZTcüt)c bod) eine (Erquicfung, mid) in bie IPunben ber beutfd)en (Sefd)id)te 5U„perfenfen unb nad)3ufül)len, burd) meldje ungeheure Krbeit mir bas (Sliicf, bie„Utad)t unb bie Freiheit mieber errungen hoben, bie ein grober ©t)eil unferes„Polfes fo mentg erfennt unb fo menig perbient. 3^? hätte gerne märmer als es„bie Kul)e ber l)iftorifd)en lliufe erlaubt, biefen 2Ttenfd)en pon geftern, bie fo in„ftd) felbft perliebt unb bann beshalb emig un3ufrieben bal)in leben, bie Pietät für„bie IDerfe unferer Päter geprebigt. Bie Krbeit mürbe mir fel)r erfd)mert. lüir„hatten piel Bot!) im fjaufe: meine ^rau faft beftänbig unmohl, bie Kinber„monatelang mit 2Ttafent u. f. m. behaftet. — 3 e f?t 8 e ht es beffer; ein paar„lDod)en in bem rei3enben (Slücfsburg hoben meinem fleinen Polfe gut gethan.„Schlimmer nod) maren bie poIitifd)en Sorgen. 3^ benfe aber, mir fommen„trot5 allebent pormärts, unb menn aud) bie traurige nationaldiberale Partei barüber„in ©riimmer geht. Bajf meine Stellung unter biefen Seuten nidjt bie angenel)mfte„ift, fannft Bu Bir benfen. Bafj id) am 2q.. Btai red)t hotte, pet^eihen fold)e„Köpfe am JBenigften. 3<h höbe nid)t blos gegen bie politifdje ©t)orl)eit, fonbern„aud) gegen bie (Eitelfeit, Kleinlid)feit unb fittlicfje Sd)mäd)e pon Sasferleben & Co.„einen grünblid)en (Efcl befommen unb marte nur auf eine paffenbe (Selegenheit,„um mid) pon biefen Seuten 3U trennen. Biefe mirb aber fd)merlid) fobalb eim=„treten, benn bas Sodaliftengefets bringen mir höd)ftmahrfd)einlid) burd), ba fid)„biefe bjerren por einer neuen Kuflöfung fürdjten. Bas Befte pon all bem„Craurigen, mas über uns hingegangen* bleibt bod), baf ber Kronprin3 eine