„Stiebe (Emilie!
„AT ein Sihfleifd) (NB. menn ich je meld)es l^atte, mas 3h r bis jetjt nod)„geläugnet l?abt, mahrfd)einlid) meil 3h r nie in natura es beobachtet habt) ift„mit bem fd)led)ten lüetter bal)in. Die Collegia, bis auf eins, ftnb gefdjloffen,„unb mir tapfern Brüber in studio ruhen uon ber Arbeit biefes lüinters aus.„Alle A)elt uerlä^t bie Stuben, nur ich hi er an meinem Tifd)e, um meiner„pflidjt (Eud) 511 fdjreiben ju genügen, f)abe id) meine Cf lüänbe erft uerlaffen,„fo mirb roahrfcheinlid) ber Thiergarten f) eu t e mein Aufenthalt merben. Dort„fudje ich mir bas bunfelfte ©ebiifd), fe^e ntid) mie ber Philofoph Diogenes„in bie Sonne, unb bin mit meinen ©ebanfen balb bei (Euch, balb in Aulofen„unb überall, mo mein (Seift gerne rermeilt. IDenn bann nur fein ATenfdjcn*„geficht meine Traume ftört!
„Am Sonnabenb, ben 27. ATärj, gehe id) uon l)i er m Begleitung eines„herrlichen Kerls, Börner genannt, nad) Aulofen, um bort ungefähr brei A)od)en„511 bleiben. ATein lieber. Karl fud)te mid) jmar in feinem letjten Briefe ju„bemegen, geftern fdjon Berlin ju uerlaffen, um feinen 20. (Seburtstag morgen„mit ihm bei feiner ATutter ju feiern, inbef, bie Collegia erlauben es nicht.„Kleine Jreube, bie alte begliche Amtmannin mit ihrer lieben ^amilie nad)l Vs 3 a hren mieber 311 fehen, ift grofj. Denfe an mid), menn id) am ATontag,„ben 50., bort anlange. — Icun ettblid) ift es gemifj, ba^ Karl ©Oering hier„(Dftern feine Stubien forlfetjt, unb t)°d)ft mahrfd)einlid) merben mir im Sommer„jufammen ein Limmer bemohneit. ©emif ift es nod) nid)t, benn eine feiner„Tanten l)ut if? m ein Limmer hier fd)on gemiethet, inbe| meif er nid)t mo unb„mie grofj es ift. 3^? h a i> e aber bod) meinem XDirthe aufgefagt, meil id) fonft„ihm für meine Abmefenheit l)ütte be5ahlen müffen, fann (£ud) aber, mie bie„Sad)en ftehen, meine fünftige Abreffe nid)t melben. Das thut aber nichts,„behaltet bie alte nur bei; uon Aulofen aus fann id) (Euch mol)l fdjou bas Aäl)ere„mittheilen. Uebrigens fdjeibe id) uon meinem philifter unb feiner ©h e hüif' e i m„©uten, benn meine Auffage muffte id) mit ©rünbeu 3U unterftü^en, mogegen bie„heibnifdje ©öttin (Eris felbft nid)ts hätte einmenben fönnen, unb er, ber l)öflid)fte„ATann, ben ich je fetinen lernte, blieb fid) ganj gleid). bjäufig ftimme id) in„ihr Bebauern über unfere Trennung ein.
„Du fd)reibft mir, bas Berl)ältnifj 3mifd)en ^ran^ Baetcfe unb Betty„©räpel baure nod) fort. 3^) ® e i0 itid)t meld)es ©efühl mid) abhält, feine„Bemerbung für reblid) ju halten. Dafj eine Dame in ihrem Alter nod) liebetts=„mürbig fein fann, jeigt fie, aber er ift bod) fd)on fo lange bei ^liiggens.
„ZDarum bemerfte er nid)t fdjon früher ihre anjiehenben (£igenfd)aften ?„pier m>äre ©ott Amor auf eine ganj eigene Art blinb gemefen. IDarum mad)t„er ihr ben f)of, feitbem er fid) bem (Dnfel als Tompagnon angetragen? Damit„bie Seute nicht red)t behalten, menn fie fagen, id) fähe am Aienfdjen immer„nur bie fd)led)tefte Seite, unb ba er ein Baetcfe ift, fo mager fte heiraten;„bas aber Iaffe id) mir nicht nehmen, es gefd)iel)t mehr aus Klugheit, als aus Siebe."
IDir erfenueu in biefem Briefe, mas feine ^orm anlangt, beutlid) ben (Einfluf besBaters, bie A)ertl)fd)ät5ung einer gemählten, fd)önen, bilberreid)en Ausbrucfsmeife, bie ganjim ©egenfa^e 311 bem bei uns Hamburgern fo üblichen Sidigehenlaffen in Sprache unbSd)rift bei Bubolpl) unb aud) bei feinem Bruber 3 U ^ US uu ^ J ran 5 ftete auffallenbherportritt, unb bie fid) bei Bubolpl) 3U einer fo meifterhaften, uollfommenen Beherrfd)ungber ^orm unferer Sprad)e ausbilbete, baf es ihm fpäterhin leidjt fiel, aud) bie 3arleften