Druckschrift 
Einhundert Jahre des Geschäftshauses Ernst Siegfried Mittler und Sohn : Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei in Berlin ; ein Zeitbild ; als Handschrift für Freunde
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen
 

„Vater Mittler."

107

Auch dic erbetene Audienz wurde dem beglückten Manne gewährt.

Die Feste häuften sich mit den zunehmenden Jahren des „Nestars derBerliner Buchhändler". — Unmittelbar vor dem zweiten, folgenreichen Kriege,am 6. Juni 1866, feierte er in voller körperlicher Rüstigkeit und geistigerFrische den Tag einer fünfzigjährigen selbständigen Wirksamkeit im Buchhandel,also zugleich des Bestandes der unter seinem Namen begründeten Buchhand-lung. Zwar verbot die ernste Zeit ein gleich freudiges Fest wie das im Jahre1854 begangene, indessen eiferten gleichsam alle Freunde und Bcrufsgenossenvon nah und fern, ihm die schon gegebenen Bethencrungen ihrer Verehrung nochstärker zu bekräftigen. Die Berliner Buchhändler übersandten ihm durch ihrenVorsteher Julius Springer eine kostbare, 124 Unterschriften tragende Adresse.„Wie Sie sich in späteren Jahren »Mittler Vater« nannten und schrieben, sohaben Sie schon lange im Munde und im Herzen Vieler als »Vater Mittler«gelebt." Ebenso feierte ihn der Leipziger Buchhandel und der Börscnvcreinder deutschen Buchhändler. Was man ihm wünschte: „Daß Gott einem soernsten und segensreichen Leben und Wirken auch ferner den köstlichen Frieden,eine edle, erquickende Ruhe schenken und ihm dic Liebe bewahren möge, die ersäete und reichlich ernte"; ebendas hat der Jubilar an jenem Tage als seinköstlichstes Lebensgut bezeichnet. „Es ist ein unbeschreiblich beseligendes Gefühl,sich die Achtung ehrcnwerther Männer erworben und in einer so langen Reihevon Jahren erhalten zu haben. Daß mein klein begonnenes Geschäft sich blühenderweitert hat, verdanke ich nebst meinem Fleiße Gott, der mich sichtbar ge-segnet und mich die Liebe, das Wohlwollen und das Vertrauen meiner Kollegenerwerben ließ. Noch heute, 81 Jahre alt, kann ich mit ruhigem Gewissen aufdie lange Laufbahn zurückblicken und mir sagen, stets redlich und offen gegenJedermann gehandelt zu haben."

Ueberraschend schnell war der große Krieg vorüber — um so wunder-barer erschienen die Erfolge, die segensreich und langhin auf das deutsche Volknachwirkten.

Der Krieg von 1864 hatte dem Verlage zunächst eine kleine Schriftgebracht: von dem um die Einführung der gezogenen Geschütze verdientendamaligen Oberst v. Nenmann „lieber den Angriff auf die Düppeler