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Am 22. August ritten nun die Anwesenden vom Adel (etwa 200 Personen) zwischen9 und 10 Ulm vormittags ins Feld. Hier wurde die neue Fahne vom Rittmeister Ewertvon Delwigk mit Bewilligung der ganzen Landschaft seinem Bruder Willrich von Delwigkzu Fehna übergeben, und derselbe sonach an des verstorbenen Jacob von Taube zu PajackStelle zum Landschaftsfähnrich gewählt.
Die Fahne war sechs Ellen lang, von rothem Damast, mit rotli und blauen 1 )Fransen geziert. In der Mitte standen auf der einen Seite ein fliegender Engel in weisserKleidung, in der rechten Hand einen grünen Lorbeer-, in der linken einen grünen Cy-pressenkranz haltend, mit der Unterschrift: „deren ein wirds sein", und unter dessenFüssen die Buchstaben G. I. M. S.. welche des Rittmeisters Symbol: „Gott ist meinSchutz" bedeuten. Auf der andern Seite der Fahne standen folgende Reime in silbernenBuchstaben geschrieben:
„Dem Köuig, Cron, Vaterland! in NohttUndt Fried: Getrew bis in den Tohtt,
Wollen auch vmb Ruhm vmb Ehr zerwerben,
Ehrlichen leben oder Sterben."
Durch die Zeichnung und die Reime soll ausgedrückt werden, dass, wie einemtapferen Manne, der sein Vaterland liebt, sich nichts höheres vorsetzt, als in rechtmässigemund wohlbefugtem Kriege mit männlicher Faust entweder zu überwinden oder elmlich zusterben, so soll die Ritterschaft des Fürstenthums Esthland also gesinnet bei SeinerMajestät des Königs beharren, der Krone zu Schweden und ihrem geliebten Vaterlandegetreu und beständig in Kriegs- und Friedenszeit bleiben, auch ritterlich kämpfend denFeind besiegen oder für den Fall des Todes männlich sterben.
Der Lorbeerkranz ist das Symbol des Sieges, die Cypresse ist zu der VerstorbenenLeichen verordnet und bedeutet den Tod, so war es bei den alten Römern. Nach Empfangder Fahne wurden von dem „Fenrich" zu seinen Beireutern die Gevattern Jürgen vonWrangel der Jüngere von Jesse und Wilhelm von Wrangel zu Kojl (XIH2) er-wählt, und demnächst nach Weissenstein zurückgegangen." 2 )
Jürgen von Wrangel wurde aber auch zu anderen thätigen Verrichtungen ver-wandt. So gehörte er am 28. Juni 1599 zu denjenigen Verordneten, welche das Jung-frauenkloster in Reval zu inspiciren hatten. 8 )
Im Jahre 1615 befand er sich mit Dorothea von Bremen, der Wittwe des verstor-benen Jacob von Taube zu Pajack in einer Klagesache wegen eines „in heimlicher undgewaltsamer Weise entführten Bauern mit seinen vollständigen Geräthen". Die Angelegen-heit kam auf dem gerichtlichen Dingeltage am 19. Januar 1019 zu Reval zur Verhandlung,wobeisich die Angaben der Wittwe bestätigten. Jürgen wurde daher nicht blos verur-theilt, den Bauer mit seinem Geräth der Wittwe wieder zurückzugeben, sondern er mussteauch noch 40 Mark Strafe als Mannbusse entrichten.
Am 24. Juni 1621 wurde zu Reval von den Erben des Arndt von Farensbach vomLandrath Ludwig von Taube zu Maydel nebst dessen beiden Schwestern und Schwägern,
!) Der Dehvigksclien Wappenfarben.
2 ) von Toll, Brief!. II, Nr. 256, p. 208.
3) G. L. Wrangeil, p. 391; von Toll, Briefl. II, Nr. 255, p. 207.