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Thomas von Kempis, vier Bücher von der Nachfolge Christi : mit e. Zugabe von Morgen-, Abend-, Meß- ... gebeten u. ... aus den übrigen Schriften des Thomas von Kempis
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V. Kapitel.

Von der Selstbetrachtung.

1. Wir dürfen uns selbst nicht allzusehr trauen,weil uns oft die Gnade fehlt, und die Einsicht.

Ein kleines Licht ist in'uns, und dieses verlierenwir schnell durch Nachläßigkeit.

Oft auch bemerken wir es nicht, daß wir so blindim Innern sind.

Ost handeln wir schlimm, und entschuldigen unsnoch schlimmer.

Manchmal werden wir von Leidenschaft bewegt,und halten es für Eifer.

Geringere Fehler tadeln wir an Andern, und anuns selbst übersehen wir die größeren.

Schnell genug empfinden und erwägen wir, waswir von Andern ertragen; aber wie viel Andere vonuns ertragen, das bemerken wir nicht.

Wer das Seine wohl und recht erwägen würde,hätte keine Ursache über einen Andern hart zu urtheilen.

2. Ein innerlicher Mensch setzt die Sorge für sichselbst allen Sorgen vor; und wer steißig auf sich selbstAcht hat, schweigt leicht von Andern.

Nimmermehr wirst du ein innerlicher und andäch-tiger Mensch sein, wenn du nicht von Andern schweigst,und insbesondere auf dich selbst schauest.

Wenn du auf dich und auf Gott ganz und gardein Augenmerk richtest, so wird wenig auf dich Ein-druck machen, was du von außen wahrnimmst.

Wo bist du, wenn du dir selbst nicht gegenwär-