II. Kapitel.
Von der demüthigen Unterwerfung.
Lege kein großes Gewicht darauf, wer für oder
es genannt oder geschätzt wird, der ist wahrhaft weise,und mehr von Gott gelehrt, als von den Menschen.
Wer im Innern zu wandeln und die Dinge vonaußen geringzuschätzen weiß, der sucht nicht Orte, nocherwartet er Zeiten, um fromme Uebungen zu halten.
Ein innerlicher Mensch sammelt sich schnell wie-der, weil er sich niemals ganz in das Aeußcre ergießt.
Ihn stört nicht eine äußere Arbeit, oder ein? zurZeit nothwendige Beschäftigung, sondern wie die Dingekommen, so fügt er sich ihnen.
Wer im Innern wohlbestellt und geordnet ist,der kümmert sich um die sonderbaren und verkehrtenGebärden der Menschen nicht.
Insofern wird der Mensch von den Dingen ge-hindert und zerstreut, inwiefern er dieselben in sich(sein Herz) ausnimmt.
8. Wenn es recht mit dir stünde, und du ganzgereiniget wärest, so würde dir Alles zum Guten undzum Fortschreiten gereichen.
Daher mißfallen dir viele Dinge und verwirrendich oft, weil du »och nicht vollkommen dir selbstabgestorben, und von allem Irdischen abgeschieden bist.
Nichts befleckt und verwickelt das Herz des Men-schen so sehr, als die unreine Liebe zu den Geschöpfen.
Wenn du es verschmähest, äußerlich getröstet zuwerden, so wirst du himmlische Dinge beschauen, undoft im Innern jubeln können.