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Thomas von Kempis, vier Bücher von der Nachfolge Christi : mit e. Zugabe von Morgen-, Abend-, Meß- ... gebeten u. ... aus den übrigen Schriften des Thomas von Kempis
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Wenn du einen Bortheil daraus (etwas zu deinemFortschreiten im Guten) schöpfen willst, so lies mitDemuth, Einfalt und Glauben, und verlange nie denNamen ver Gelehrsamkeit zu haben.

Frage gerne, und höre schweigend die Worte derHeiligen ; auch laß dir gefallen die Gleichnisse der Al-ten; denn ohne Grund werden sie nicht vorgetragen.

VI. Kapitel.

Bon den ungeordneten Neigungen.

1. So oft der Mensch etwas unordentlicher Weisebegehrt, verliert er sogleich i» sich die Ruhe.

Der Hoffärtige und der Geizige haben niemalsRuhe; der Arme und Demüthige im Geiste aber wan-deln in der Fülle des Friedens.

Ein Mensch, der »och nicht vollkommen in sich ab-gestorben ist, wird schnell versucht, und in kleinen undgeringfügigen Dingen überwunden.

Wer schwach am Geiste, und gewissermaßen nochfleischlich und zum Sinnlichen geneigt ist, kann sichschwer von den irdischen Begierden gänzlich lostrennen.

Und deßhalb ist er oft traurig, wenn er sich ihnenentzieht; wird auch leicht unwillig, wenn ihm Jemandwidersteht.

2. Wenn er aber erreicht hat, wornach ihn gelüstete,so wird er sogleich von der Schuld seines Gewissensgedrückt, weil er seiner Leivenschaft gefolgt ist, welcheihm nichts hilft zum Frieden, den er gesucht hat.

Also durch Widerstand gegen die Leidenschaften fin-det man den wahren Feieden des Herzens, nicht aberdadurch, daß man ihnen knechtisch dient.