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„Wo ist mein Siegel-Ring? — ich seheIhn nicht in dem gewohnten Schrein,
Wie ich auch suche, wie ich spähe,
Wo kann — so sprich! wo kann er sein?"
Und tief von Ahnungen durchzogen,Der greise Knapp' zum Bischof spricht:„„Ich barg ihn in des Kästchens Bogen.""„So such' ihn selbst, ich find' ihn nicht!Ha! welche Angst in deinen Zügen?
Warum so scheu, du Bösewicht?
Die Miene — nein, sie kann nicht trügen,Sie liefert dich dem Hochgericht!"
Wie auch der Knapp' mit heißen ThränenUnd stummer Angst die Knie umschlingt,Und mit des Kummers dumpfem SehnenZu des Gebieters Herzen dringt:
Obgleich er bei des Mittlers Wunden,Die Unschuld seiner Brust beschwört,
Umsonst, nicht hat er Gnade funden,
Und seine Qual wird nicht gehört.
In kalten, naßbethauten Mauern,Wo Nacht ein ew'geS Schweigen deckt,
Darf er beweinen und betrauern,
Was ihm ein finst'rer Geist erweckt:
Und eh' drei Tage noch entweichen,
Sieht man durch eines Henkers SchwertDas greise Leben schnell erbleichen,Des bessern Lohns der Treue werth.
Wohl zogen Jahre hin und wieder,
Noch waltete des Bischofs Macht,
Die Zeit schwang rauschend ihr Gefieder,
Doch herrschte noch umwölkte Nacht;
Da sitzt er einst beim Festeömahle,
In seiner Freunde frohem Kreis,
Beim schmerzverscheuchenden Pokale,
Fern hauchten Flöten Luft und Preis.
Da dringet mit verstörten Mienen,
Bleich wie ein Geist auf luft'ger Bahn,Die Hand erglänzend von Rubinen,
Zum Sitz des Herrn ein Knapp' heran;