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Folge 3 (1880)
Entstehung
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Abdanckungs - Rede.

Hoch- und Wohlgetiohrne,

Nach Standes Gebuhr höchst und werth geschätzte Anwesende.

Bwohl bey jetziger Zeit, die Frantzösische Untion von vielen, sodurch dieselbe ins Verderben gestürtzct worden, sehr verhaszet ist; Sohalte ich doch dafür, daß solches keines Weges aufs die gelehrte Bücher zn«xtonäirsn seh, mit welchem Sie die Lvrisuks Welt bishero so vielfältigvergnüget hat: Zum wenigsten wird ein gewisser gelehrter Frantzösischer.leknito mit dergleichen Haße billig zu verschonen sehn, welcher unterden Mini: püilotopbia imnA-innm, gleichsam die gantze Welt Weißheit in den allerscharffsinnigsten Sinnbildern vorgestellet hat. Ich bcrnffe mich auf einen gewißcnOrt seines andern thcils, da ein Töpsfcr abgemahlct ist, welcher ans Thon ein ge-wisses Bild verfertiget hatte, und daßselbige in den glüenden Fencr-Ofen schob, damites durch die Hitze zu einer beständigen Daucrhasftigkeit möchte xortoctionirct werden,mit beygesügtcn Worten: Non ut ckektruat, ksä nt xortieiat. Der ^.ntor dieses Buchs,hat zwar so deutlich nicht gemeldet, wohin der erste Erfinder mit diesem Gcmähldegezichlet hat; vielleicht zu diesem Ende, damit ein jedweder Leser seine insäitationesnach eigenen Gefallen darüber anstellen möchte. Und bey so bestallten Sachen wirdmir vergönnet sehn, daß ich an dem heutigen Tage, den betrübten Znstand einerhohen b'amilis unter diesem nachdencklichem Gemählde vorstellen darfst Denn, wiekau ich die Eigenschafften der Hochwohlgcbornen Fräulein, Fräulein JohannaSophien, gebohrne von Gberstoin, so wir anitzo zu ihrer Ruhe-Stätte begleitethaben, besser beschreiben, als wann ich Dieselbe einer wohlgcbildetcn statu« vergleiche,sonderlich, da sich der Meister dieses unvergleichlichen Tugend-Bildes, das ist, derewige Schöpfer aller Dinge in dem geoffenbahrtcn Worte selbst, den 'litul einesTöpfers bch zulegen, nicht geschämet hat. Ja, Sie übertraft ans gewisse niasse allediejenigen statuen, welche jemahls die Palläste und Lust-Gärten der grössestcn Uo-tentaton ausgezicret haben. Denn; da eine jedwede von denselben nicht mehr alßeine Tugend roproksntiren kann, so war dieses Meisterstücke des Himmlischen Schöpfersdergestalt kormirct, daß es auf einmahl die Gottes Furcht die Keuschheit, die Klnck-heit, und mit einem Worte, alle wohlanständige Tugenden, eines GOtt und Menschenwohl gefälligen Frauenzimmers vorstellen, und also ein aeenratss Muster eines voll-kommenen Tugend-Bildes bedeuten könte. O! so weinet demnach Ihr anjetzo intiefster Traner verhüllete ELTERN, welcher dieser früh zeitige Todes Fall, die Furchtihrer Hoffnung, das Intsrekls ihrer sorgfältigen Auferziehung, und den Trost ihresAlters benommen hat! Vergicsset Thränen ihr gesammte Hoch betrübte Kinder, überden schmertzlichcn Verlust einer so angenehm gewesenen Schwester! Betrübet euch OIhr übrige hohe Anverwanten, weil das muß günstige Glück euch eine getreueFreundin vor der Zeit weg genommen hat! nun endlich möchte ich auch über michselbst ein kläglich Wehe aus ruften. In dem ich bin crwchlet worden, daß ich die ersteProbe meiner schlechten, und ungeübten Beredsamkeit, bch einem so schmertzlichem

Todes-