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ten werden. Da wiederholte ich oft, was ich erst vor Kurzemmit Empfindung gelesen:
In meines Freundes Arm, an meiner Gattin Brust
Wird oft ein kleines Glück für mich die größte Lust;
Und kömmt ein Ungemach, (denn wer hat keins zu tragen?)
So ists fchon Trost genug, es ihm und ihr zu klagen.
Sie glauben es doch, daß wir glücklich und zufrieden leben werden:wie hätten Sie sonst diesen Entschluß fassen können? Ja, zweifelnSie nicht daran. Trauen Sie nur es zu liebste Freundin, daßes mir am Willen nicht fehlet alles zu thun, was Sie zufriedenmachen kann, und daß ich Gott um Beystand zur Vollführungmeines Vorsatzes anflehe. Sie haben Sich nicht übereilet in IhrerEntschließung; Sie haben Sich dem Willen des Herrn übergebenund unter dem Vertrauen auf seine Fürsorge und von demtreuen Rath ihrer lieben Eltern unterstützet den allerwichtigstenSchritt im Leben gethan. Welchen Trost muß ich daraus fassen!Und wie könnte die geringste Furcht bey mir Platz nehmen, daßSie Sich nicht freywillig entschlossen hätten die genaueste Verbin-dung mit mir einzugehen, daß Sie mich nicht liebten, und daßSie nicht glaubten, ich habe Sie mit der redlichsten Gesinnungum Ihre Liebe gebeten? Ich kann es Ihnen nicht sagen, wasin meinem Gemüthe vorgegangen ist, seitdem ich anfing auf IhreGegenliebe zu hoffen, und noch viel mehr seitdem Sie mich davonversichert haben. Die nöthige Furcht in diesen oder jenen Ver-dacht zu fallen hält mich ab Ihnen mehr zu sagen als dieses,daß ich diese Empfindungen meines Herzens für die ersten Vor-theile ansehe, die mir Ihre Liebe verschafft."
„Leben Sie wohl und lieben Sie mich. Vielleicht werdenwir uns bald sehen und sprechen. Wollen Sie mich unterdessennoch mit einem Schreiben erfreuen, so werden Sie ein sehnlichesVerlangen in mir befriedigen. Empfehlen Sie mich Ihrer liebenFrau Mama aufs Beste. Von wem würde es besser geschehenkönnen als von Ihnen? Ich verbleibe in Liebe und Treue Ihrzärtlichster Freund Kähler."
Triebe!, am 16. März 1776.