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2 (1869) Altvordern und Stammeltern
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jedoch, was die Schwester von ihrem Verhältniß zu einandermittheilt.

„Vorm Jahre, liebste Schwester, vorm Jahre — ErinnerstDu Dich noch der vergnügten Augenblicke? O was ist allelärmende Freude gegen das sanfte Vergnügen einer wahren Zärt-lichkeit? O die frohen Stunden! Damals empfand ich dieGütigkeit der Vorsicht, die Dich mir zuschickte. Ich empfand sie;und meine Lippen verriethen Dir, obgleich nur unvollkommen,das, was in meinem Herzen vorging. Könnte ich sie doch wiederzurückwünschen, diese güldenen Tage. Aber nein! Sie sind vor-bei. Welches Glück, daß sie nicht ungenutzt verflossen sind, welchefrohe Erinnerung, daß wir sie zärtlich genossen haben. Jetzt binich allein — Keine liebreiche Schwester ist um mich — Sogarvom vorigen Umgang getrennt — Unter einen: anderen Himmelsitze ich hier. Alles ist verändert — Alles — „ Auch Deine zärt-liche Liebe?" — Nein liebste Schwester, Nein; diese dauertewig — auch jenseit des Grabes —

Dort werden wir erst ihren Werth erfahren,

uns ewig freun, daß wir so glücklich waren,fromm mit einander umzugehn.

Und wie könnte meine Liebe aufhören? Wäre es möglich,daß mein Herz nicht mehr für Dich schlagen sollte? Eben so wenig,als es geschehen kann, die brüderlichen Bande zu zerreißen; Ebenso wenig, als Du aufhören wirst Schwester zu sein. O meine liebste,meine theuerste Schwester, an Dich zu denken, mich in Gedankenniit Dir zu beschäftigeil, Deine Gesinnungen zu erwiedern — diesist das reine, das vollkommene Vergnügen, dessen UrheberinDu bist — Süßer Gedanke! — O laß mich ihm nachhängen —Mich ganz in ihn vertiefen — So vertiefen, als am 10. August,da sah ich Dich, meine schätzbare Schwester — festlich sah ichDich — Auf Deiner Stirne hatte sich die Freude gelagertaus Deinen Augen floß Vergnügen — Deine Wangen blühtenwie halbaufgebrochene Rosen am Morgen — Dein Herz schlugEmpfindungen, und Deine Lippen wagten sie nachzustammelnSo sah ich Dich. — Reizender Anblick! Ich sah Dich, ich stellte