Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
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Ulrichs sammelten sich und zogen von Judenburg hinauf gegendie Franenburg. Aber ihre Ankunft brachte dem Gefangenennur noch mehr Ungemach. Pilgerin führte ihn hinaus aufeinen Balkon, band ihm einen Strick um den Hals und hießihn seine Freunde zum Abzug mahnen, so lieb als ihm seinLeben sei. Dem Unglücklichen blieb nichts anderes übrig,und die Freunde zogen umsonst wieder ab. Dennoch drohtenihm die Frevler mit dem Tode für den nächsten Tag undUlrich bereitete sich dazu vor, nahm weinend Christi Leichnamin seine Hände und empfahl ihm seine Seele. Am nächstenMorgen erschien Pilgcrin und fragte ihn, was er für sein Lebengäbe. Alles, was er habe, antwortete er; da ließ ihn Pilgerin,dessen Absicht und Gier auf Gewinn stand, am Leben, ließihn aber einschmiedcn in eine schwere Kette, darin er manchenTag schmachten mußte.

In dieser jammervollen Noth, in der er ein Jahr unddrei Wochen verlebte, verließ ihn noch der alte Sinn nicht,die Poesie und die Verehrung der Frauen. Er fand, worübersich, wie er selbst sagt, mancher verwunderte, Stimmung zueinem Licdc, worin er die Frauen um Hülfe bat und die Einepries, die er verehrte, weil der Gedanke an sie ihm den Muthaufrecht hielte ^). Oft trat ihm in dieser Zeit der Tod nahe,denn Pilgerin raunte ihn mit Schwert und Messern au. End-lich schlug die Stunde der Erlösung. Graf Meinhard vonGörz, den Kaiser Friedrich II. als Landeshauptmann (wieUlrich sagt, als Herren) in das Steicrland gesandt hatte, der-selbe, den Ulrich schon im Beginne der Venusfahrt in ritter-licher Weise hatte kennen lernen, kam mit vielen Herren vordie Frauenburg, als er von Ulrichs Gefangenschaft gehörthatte. Durch ihn wurde er allerdings frei, aber für ein schweresLösegeld, und er mußte seine Burg Frauenburg und seine beiden

>) Frauendienst S4S.