— 197 —
Spitze der Armee stand, die Armee hatte auch das vollste Ver-trauen in ihn und liebte und ehrte ihn wie einen Vater, waser reichlich durch seine allseitige Fürsorge, selbst auf eigene Kosten,mit eigenen Opfern verdient hatte. Ebenso genoß er das Ver-trauen des Kaisers und der Kaiserin, und niemand schien mehrals er die geeignete Persönlichkeit in dem schwierigen Verkehrmit dem Könige von Sardinien und der picmontesischen Armee.Sein Nachfolger, früher Gesandter in Berlin und Petersburg,war mehr in diplomatischen Geschäften verwendet worden undhatte auch darin nicht grade mit Glück gedient. Jetzt an dieSpitze des Heeres gestellt, vermochte er nicht den Sieg in Ver-folgung der Feinde auszubeuten, noch ein einträchtiges Vorgehenmit dem Könige von Sardinien zu bewirken.
Der Fürst Wenzel, begleitet von seiner Gemahlin, die sichschon bisher in Italien in der Nähe des Heeres aufgehaltenhatte, zog sich zur Pflege seiner Gesundheit nach Calorno zurück.Da er nur beurlaubt war, so blieb er in beständiger Verbindungmit dem Heere und ließ sich berichten. Auf die Bewegungenund Ereignisse konnte er freilich keinen Einfluß nehmen, wenner es auch an Kritik der Anordnungen und guten Rathschlägennicht fehlen ließ; aber er fuhr fort, so weit er vermochte, für diemateriellen Bedürfnisse des Heeres und das persönliche Wohlder Offiziere zu sorgen. Obwohl er, so lange er an der Spitzeder Armee stand, weder Gehalt noch Tafelgelder erhalten hatte ^),
i) Aus einem Schreiben an den Grafen Chotek aus Calorno seifolgende Stelle citirt: „. . .und obzwar nicht ohne ist, daß von meinemn xrimo May des verflossenen Jahres bei der allhiesigen k. st. Feldkriegs-cassa angewiesenen Gehalt und Tafelgeldern noch äato nicht das Geringsteempfangen, so habe doch in meinem Vorigen nicht aus Erlangung diesesBetrags, wohl aber dahin abgestellt, daß die bewußte S00 Zecchini soehender zu Händen des Herrn Grafen Althan bezahlet werden mögen, alsich, um die Wahrheit zu gestehen, diesem angeordnet habe, diese Gelder nebsteiner gleichen ihm bereits übermachten Summam unter die arme noth-leidende Offiziers auszutheilen, welche gewißlich, besonders da viele von ihnenblessirt seind, nicht länger zuwarten können."
l
Tßlll»