Druckschrift 
3 (1882)
Entstehung
Seite
129
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niemals ihr Herr werden sollte! Wenn sein Vater den Sohnkennen möchte, wie ich ihn kenne, er würde ihn anbeten."

Die Briefe des Kronprinzen Friedrich an den FürstenWenzel sind, mit einer Ausnahme, sämmtlich eigenhändig ge-schrieben, mit zierlicher, nicht überall gut leserlicher Handschriftin einem Französisch, das sich nicht über die gewöhnliche schlechteOrthographie der französischen Bricfschrcibcr jener Zeit erhebt.Sic gelangten an den Fürsten auf geheimen Wegen, zum Thcildurch Vermittlung des Fürsten Leopold von Anhalt, des ge-meinsamen Freundes, und ebenso mußten diejenigen des Fürstenan den Kronprinzen einen geheimen Weg gehen. Der Lesermöge sich bei der Lcctürc gegenwärtig halten, daß es die Briefeeines JünglingS sind, eines geistvollen, der noch für Freund-schaft schwärmte, der sich um so fester an glcichgcsinntc Herzenhing und um so glühender sich nach Liebe und Zuneigung sehnte,als er soeben erst die bittersten Qualen und Schmerzen, welchedas Menschenleben bereiten kann, zu erdulden gehabt hatte. Esist etwas davon in die Briefe übergegangen, zumal in jene nachder Gesandtschaftszeit des Fürsten. Die ersten sind noch kühlerenInhalts; die Freundschaft war erst im Werden.

Der erste Brief datirt aus Zwingenberg vom 30. Sep-tember 1734, ist also wohl noch auf der Rückkehr nach Berlinoder vor derselben geschrieben. Er lautet:

„Mein theurer Fürst!

Nichts auf der Welt kann pünktlicher und gefälliger seinals das, was Sie soeben gethan, indem Sie mir den Kochunseres theuren Verstorbenen schicken. Ich habe zu weinen ge-glaubt, als ich ihn sah, und besonders bei der Erzählung vomTode des theuren Prinzen Friedrichs. Ich bin überzeugt, inIhnen einen ebenso guten und treuen Freund zu besitzen, wie ich

5) Prinz Georg Friedrich Kart von Baireuth, gestorben 1735.Falke, Liechtenstein. III. Bd. 9