So weiß dcr vcuctianischc Gesandte viel Rühmens von demjnngm Erzherzoge zn nmchcn nnd lobt dobci die Liebe und Sorg-falt des Fürsten, seines Erziehers ^). Die Anerkennung desKaisers und dcr kaiserlichen Familie wurde ihm oft und wieder-holt zu Thcil.
Zuweilen gab es allerdings anch ärgerliche Affaircn indieser Stellung. Dcr Fürst war nicht blos Erzieher, sondernauch Obcrsthofmcistcr des Erzherzogs und hielt in diesem Amteauf strenge Etiguettc und Befolgung aller Vorschriften mitFestigkeit, wie er es ähnlich schon in Rom bewiesen hatte. EinesTages (am 29. Januar 1699) nun war es vom Hofe ange-ordnet worden, daß der Erzherzog Karl zur Feier dcr Ver-mählung des römischen Königs, seines Bruders, ein großes musi-kalisches Fest in seinen Gemächern geben sollte. Nur die Mit-glieder des kaiserlichen Hauses oder wer unmittelbar zu ihremHofstaate gehörte, sollten nach dcr Bestimmung des Kaisers andemselben theilnchmen. Die fremden Gesandten oder wer be-sonders darum ersuchte, waren vom Fürsten in seine Gemächereingeladen worden, um wenigstens die Musik anzuhören. Derfranzösische Gesandte aber, Marquis von Vittars, welcher nichtdarum ersucht und bis dahin auch noch nicht dem Erzherzogeseinen Besuch gemacht hatte, trat ungeladen in die dem Hofebestimmten Räume und wurde, da er dem höflichen Winke nichtwich, endlich auf das Bestimmteste vom Fürsten zurückgewiesen.Dcr Gesandte wie sein Hof erfaßten das als eine Beleidigungund verlangten Gcnugthuung in einer Art, zn welcher sich dcrösterreichische Hof nicht verstehen wollte. Die Sache machte großesAufsehen und drohte gefährlich zu werden, bis dcr Fürst endlichentgegenkommend die Sache in einer für beide Thcile befrie-digenden Weise erledigtes.
h Pontes^rsrnin nustriaenrurn XXVII. 393.
2) Leopold des Großen Leben und Thaten II. 809. Die Darstellungdes Fürsten selbst in verschiedenen Abschriften im Archiv.