Die von den Niederländern herbeigeführte Entwicklung des frankfurter Handelsam Ende des f<5. Jahrhunderts führt sich darauf zurück, daß sie theils den altenbestehenden Gewerben, so der Barchent- und Leinenweberei und dem Tuchhandel durchAnknüpfung mit ihrer Heimath, durch Verwerthung ihrer besseren Kenntnisse und durchihren größeren Unternehmungsgeist neue Bahnen für die Produktion, den Bezug undden Absatz der Waaren eröffneten, theils ganz neue Gewerbe wie die Diamant- undRubinschneiderei nebst Iuwelenhandel, die Seidenweberei und Färberei und den Leiden-Handel, die Aassementerie, Anopsmacherei und die mancherlei Arten des Aurzwaaren-handels einführten. Auch hierbei kommt jedoch wieder Frankfurts Eigenthümlichkeitzum Durchbruch, daß diese Luxusgewerbe sich weniger nach der produktiven Leite alsIndustrien, sondern als große Handelsgegenstände entwickelten. Während im Jahr s5^5der Landgräfin von Hessen-Warburg auf eine Anfrage der Bescheid crtheilt werdenmußte, daß in unserer Ltadt kein Juwelier existire, so zählte man am Anfang desi?. Jahrhunderts Juweliere, Rubin- und Diamantschneider und q.8 Goldschmiede.Blanche von ihnen wie die Mertens, Bengerath, Bloors, de Bry, von Loen, Hassel,Lchneider und später die Riese und Wiesenhütten sind durch ihren Handel zu großemRcichthum gelangt und infolge dessen auch thcilweise geadelt worden. Was sodann denLeidenhandel betrifft, so kamen abgesehen von den Lendungen aus Haris und Lyonallein 35ß Rheinschiffe mit Basler Leidensabrikaten nach Frankfurt. Mit der Ein-wanderung von bedeutenden Aausleuten aus Antwerpen, damals dem ersten europäischenBörsenplatz, wurde aber auch das Bankgeschäft nach Frankfurt verpflanzt und hierdurchder Grund zu der europäischen Bedeutung der Ltadt während des s3. Jahrhunderts gelegt.
Die Aushebung des Edikts von Nantes im Jahr ^635 führte unserer Ltadtwiederum eine Anzahl hervorragender Familien zu, darunter s6ß5 Gontard und s705de Bassompierre.
Was die italienischen Familien betrifft, so ist deren dauernde Niederlassung undAusbreitung erst von etwa N20 an zu konstatiren. Aber schon hundert Jahre vorherhatten italienische Lüdsrüchtenhändler und Gewürzkrämer über Basel ganze Schiffsladungenvon Waaren rheinabwärts befördert und deren Verkauf auf jede Weise, theils imHausirhandel, theils im Großen von bestimmten Wandermagazincn aus betrieben.Nachdem im Anschluß an ein ähnliches Vorgehen „in der Eidgenossenschaft und anderenvornehmen Handelsstädten" die Basier Lpezereihändler bereits im Frühjahr ^62ß diegänzliche Abschaffung der so hochbeschwerlichen Fremden gefordert hatten und nachdemim Jahr die Aauslcute Domenico Brentano und Hietro Bellini bei leichtein
Gewicht ertappt worden waren, wurden die Italiener in Basel insgemein „wegenvieler verdächtiger Lachen" zur Ltadt hinaus verwiesen. Aber zur Blesse stellten sie sichstets wieder ein und nachher waren sie eben einfach da. jVr. Geering, L. 575.)
In Frankfurt hatten sich die italienischen Händler Brentano und Guaita bereitsum das Jahr s65O ihre Waarenlagcr eingerichtet. Außer Lüdfrüchten, italienischen Weinenund Leide führten sie auch die bei ihnen so früh beliebten Anollen der Aartoffel