Im Übrigen war Christian, ebenso wie sein älterer BruderGottlob, an Wöhlsdorf, Arnsdorf, Ranis und Wöhlsdorf,
„Mein lieber Bruder. Da Du lieber Bruder anjetzo deu ersten SchrittDeines Glückes »lachest und Deinen Aufenthalt in der großen Welt und unterfremden Tonten hast, so befiehlt mir mein Herz und meine brüderliche Liebein Nachfolgendem einige gute vermahnungen zu geben, welche mir öfters,wenn ich darnach gehandelt, den vortrefflichsten Dienst gethan. Ich hoffe,daß Du es wohlmeinend aufnehmen wirst, und versichere, daß du bis an meinLebensende bei jedem Vorfall und Gelegenheit finden wirst, daß ich recht auf-richtig bin Dein treuer Bruder
Sorna, am 8. August
Heinrich Christian August von Tümpling.
Zuförderst ist es die größte Nothweudigkeit, unfern Herr-Gott niemalcnaus den Augen zu setzen, und ist es die edelste That, seinen Lebenswandel,so viel es nur möglich und menschliche Kräfte zulassen, so einzurichten, wie esGott in seinem Worte befohlen. Hüte Dich vor allen vorsätzlichen Sünden nndgedenke auch in dem größten Getümmel der Welt an unfern lieben Gott.Auch gedenke öfters, daß Du sterben mußt, welches uns Menschen das Allcr-gewisseste ist, auch daß die Stunde unseres Todes uns unbekannt nnd wirdahero nicht wissen, ob nicht heute oder morgen Gott unsere Seele von nnsfordert. Diese Betrachtung wird dich zu vielen guten Gedanken führen. Duwirst Deinen Lebenswandel untersuchen nnd gewiß suchen Deine Fehler zuverbessern, verlasse Dich ans das Verdienst, Leiden und Sterben unseres HerrenJesu Christi, nnd genieße mit wahrer Buße den Leib und Blut Jesu Christiöfters. Laß dich durch das größte versprechen der Welt nicht verleiten, eineUntreue gegen Deinen Gott zu begehen, und gedenke allemal Deines Tauf-bundes.
Deinem Herrn diene treu und ehrlich, vollziehe seine Befehle auf dasVrdentlichste, und wenn sie Dir auch noch so sauer werden, so thne doch Alles,was Dein Herr befiehlt, gern. Rede von Deinem Herrn an allen Veten dasBeste, und laß alle seine Heimlichkeiten, so Du sie auch erfährst, bey Dir be-graben seyn. Suche so geschwind als möglich seine Befehle zu vollziehen, undzeige Dich Deinem Herrn, wann Du auch sehr verdrüßliche Umstände hast,allemal mit einem muntern, vergnügten und zufriedenen Gesicht.
Zufriedenheit ist die größte Vergnügung unseres Lebens. Erstrecke alsoDeine Ausgaben niemals über Deine Einnahmen, untersuche bei jeder Aus-gabe und wann sie auch noch so klein ist, ob sie auch höchst nöthig nnd ob sie,wann Du sie unterlässest, nicht mehr Nutzen bringen könnte. Mißgönne nichtAndern ihr Glück, wann Du stehest, daß sie angesehener, reicher »nd mehrseyn, als Du, und glaube nicht, daß sich alle diese vor glücklich halten, welchedie Welt davor hält, denn ich versichere Dich, es fehlt ihnen öfter an der Zu-friedenheit. Beobachte also Deine Schuldigkeit in Deinem Dienst, haße alle