Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Die Dom Kirche in Derlin.

Sie ist eines der neueren Gebäude der Hauptstadt, erst im Jahre1748 von Friedrich dem Großen erbaut, und steht auf dem Lustgarten,in der Verlängerung der Front des unregelmäßig vorspringenden Schloß-flügels, in welchem sich die Schloßapotheke befindet. Ihre Rückseitewendet sie der Spree zu, die Hauptfront befindet sich gerade in derMitte der einen Seite des Lustgartenvierecks. Die ältere zum Schloßgehörige Kirche hatte auf dem Schloßplatz, zwischen der Brüder- undBreitenstraße gestanden. Sie war anfänglich eine Klosterkirche gewesen(der Name Brüderstraße schreibt sich noch davon her), wurde durchden Kurfürsten Friedrich II. in eine Pfarrkirche, von Joachim II. in einDomstift verwandelt. Daher noch der heutige Name. Das Gebäudegehört nicht zu den schönen Berlins. Es ist in einem wenig bedeut-samen Stil, der nicht einmal recht den des Zeitalters Ludwig XIV.ausprägt, erbaut, welchen sonst Friedrich der Große vorzugsweise ge-pflegt hat, sondern hält sich charakterlos in unbedeutenden Formen.Auch nicht einmal durch die Größe imponirt der Bau, denn er hat füreine Kirche eine sehr mäßige Dimension. Die Länge beträgt 230, dieBreite >34 Fuß. Der Thurm bis zur äußersten Spitze hat etwa lstilFuß Höhe; er ist rund, kurz, mit einer Kuppel überwölbt, und ebenfallsgleichgültig in den Formen. Früher hatte das Gebäude noch wenigerCharakter als jetzt. Doch im Jahre >817 geschah ein vollständiger Um-bau nach Schinkels Angabe. Allem Genie dieses Meisters zum Trotzkonnte bei der beibehaltenen Grundlage, nichts Hervortretendes darausgeschaffen werden. Indeß war es ihm gelungen, etwas Charakteristischeszu erzeugen. Er hatte sich an das Vorbild der griechischen, in Rußlandvielfach vorkommenden Kirchenbauten gehalten, wo zuweilen ein impo-nirendcr Eindruck durch ein System von kleineren und größeren Thür-men erzeugt wird. Moskau besitzt dergleichen mehrere. So fügte erdenn dem alten etwas geschmackvoller umgestalteten Thurme noch zweineue, nicht Seiten- sondern Vorsprungsthürme hinzu, indem er zu-gleich aus dem Oblongum des Schiffs mit einem breiten Vorsprungheraustrat, der der Kirche ein schönes Eingangsportal, und jenen Thür-men die Basis verschaffte. Unter den Bedingungen die bei der schwie-rigen architektonische» Aufgabe gestellt waren, ist sie immer nochmeisterhaft gelöst. Die wesentlichsten Verschönerungen und Verbesserun-gen brachte der Bau inzwischen im Innern der Kirche zuwege. Siewar bis dahin nur ein großer, öder Raum, mit kahlen Wänden, un-vortheilhaft zum Hören des Predigers gewesen; ohne allen tieferenEindruck, und daneben dem Zweck wenig entsprechend. Dies Uebel hatder Umbau enrfernt. Die Kirche macht jetzt zwar nicht den ehrwürdigenEindruck eines mittelalterlichen, von Säulen und Bogen getragenenDoms, aber doch den eines würdigen Gebäudes, in welchem sich ein-fache Schönheit mit Zweckmäßigkeit und einem gewisse» Glanz verbin-det, welcher der Kirche wohl zusteht, die als ein Bestandtheil des könig-lichen Schlosses zu betrachten ist, wo vorzugsweise der König und diekönigliche Familie ihren Gottesdienst halten, und wo alle größerenFestlichkeiten, bei welchen der Staat als solcher in der Kirche vertretenist, abgehalten werden. Und dennoch ist das Ganze, gegen den Lurusder häusig in katholischen Kirchen entfaltet wird, höchst einfach gehalten.Der viereckige Raum, mit flacher Decke ist kein günstiger, und es ge-hörte das ganze Talent eines Schinkel dazu, denselben nur einigermaßenentsprechend zu gestalten. Die Länge des Vierecks wird von korinthi-schen Säulen getragen. An der schmalen Seite befindet sich der Altar,zu dem ein schöner breiter Vorbau mit 12 Stufen hinanführt. Eingroßes Altargcmälde von Begas, die Ausgießung des heiligen Geistesüber die Apostel, schmückt denselben. Ein merkwürdiges Mosaikbild, denheiligen Petrus darstellend, ein Geschenk welches der Papst Pius vu.dem Könige gemacht hat, und das Bild des heiligen Paulus, ebenfallsvon Begas, hängen zur Seite. Die Kanzel befindet sich in derMitte der Längenseite der Kirche; ihr gegenüber die königliche Loge.Dies die einfache Einrichtung und Ausschmückung des Innern. Dieoben erwähnte, vorspringende Front, welche die beiden kleinen Thürme

trägt, wird von sechs Säulen verschönt, deren mittlere freistehend, dieandern nur Relief der Mauer sind; über diesen ein Frontispiz imreinsten Höhcnverhältniß. Auf jeder Seite zwischen den Endsäulen be-findet sich eine Nische, in deren jeder eine aus Kupfer getriebene colos-sale Bildsäule, einen Engel mit Flügeln darstellend, sich befindet. DieModelle dieser beiden Figuren sind von Tieck, die Ausführung ist durcheine ehemals sehr berühmte, jetzt eingegangene Bronzefabrik (Wernerund Neffen) geschehen, und ein sehr beachtcnswerthes Kunstwerk.

Soweit das, was architektonisch bei dem Dom zu beachten ist.Es ist, wie gesagt, nicht von großem, doch von einigem Werth; wirkönnen aber schon darum einen geringeren darauf legen, weil diesAlles binnen kurzer Frist nicht mehr vorhanden sein wird, indem derKönig, dessen reinem Kunstgeschmack der Bau in seiner ursprünglichen,wie in seiner umgemodelten Gestalt nie zusagen wollte, einen pracht-vollen Neubau an die Stelle des jetzigen Doms beschlossen, und auchschon begonnen hat. Ohne den Einbruch der Revolution von 184«mitten im tiefsten Friede», im blühendsten Zustande des Landes, wäreauch dieser großartige Bau schon vollendet, oder doch der Vollendungnahe. Jetzt wird er nur äußerst langsam betrieben, ruht oft langeZeiten, und scheint vorläufig nur so weit geführt, um das einmal Be-gonnene gegen die Wirkungen des Wetters sicher zu stellen, damit esspäter, ohne erneuerte Kosten wieder aufgenommen werden könne. Dergeheime Oberbaurath Stüler hat die Entwürfe zu diesem Bau, derim reichsten Basilikenstil ausgeführt werden soll, gemacht; die praktischeLeitung hat der Baurath Bürde, der schon sonst immer Schinkels aus-führendes Organ war, übernommen. Es wird sich damit auch eineBeftattungshalle t.'ümgo-8-niio damit verbinden, das im Rohbau schonso gut als vollendet ist, und zu welchem Cornelius die Cartons derFreskogemälde, welche die Wände schmücken sollen, bereits gezeichnet hat.Dieser Bau wird künftig diejenigen Monumente aufnehmen, welcheeinen wesentlichen Theil der historischen Merkwürdigkeit des Doms bil-den, denn einen solchen hat derselbe zur Entschädigung für seinen ge-ringen architektonischen.

Es befinden sich nämlich daselbst, die Grabstätten der Kurfürstenund Könige der Mark Brandenburg und Preußens, so wie der Prinzendes Hauses. Zwei derselben, Friedrich der Große unv der jüngstverstorbene König Friedrich Wilhelm .lll., sinv an andererStätte beigesetzt, *) doch das eigentliche Erbbcgräbniß ist hier, ein Ge-wölbe unter dem Altar der Kirche. Hier ruht auch der große Kurfürstnebst seiner Gemahlin. Ihre Prachtsärge, von Schlüter gegossen, welchewegen der Größe und Schwere nicht in das Gruftgewölbe gebrachtwerden konnten, sind in der Kirche selbst aufgestellt. In dieser befin-det sich auch ein Denkmal für den Kurfürsten Johann Cicero, und dasmetallne, liegende Bild des Kurfürsten Joachim I , dem Erdboden gleich,von Adam Bischer in Nürnberg gegossen. Auch der vorige KönigFriedrich Wilhelm >>!, wurde bei seinem feierlichen, öffentlichen Begrab-niß im Dom beigesetzt, jedoch noch am Abend des nämlichen Tages derSarg in der Stille nach Charlottenburg gebracht, wo er (wie untenbemerkt) in dem dortigen kleinen Mausoleum, das der König seinerGemahlin erbaut und gewidmet hatte, dieser zur Seite seine Ruhestättefand. (S. Mausoleum zu Charlottenburg.)

Eine zweite historische Bedeutung hat das Domgebäude durch diemancherlei großen, kirchlichen, mit der Geschichte des Staats in Verbin-dung stehenden Feierlichkeiten, die hier begangen wurden. Hier geschahder kirchliche Akt bei der Huldigung der preußischen Könige in Berlin;der letzte am >5. Oktbr. 184Y, dem Huldigungs- und zugleich dem Gc-