2 8 Des funffren Buchs Lap. II.
und Güter, als ihrer Persohnen zu bemächtigen, auf welche sie ein gewissesLösegeld schlagen, oder an viele Orte in derBarbarey für Sclaven verkaufen.
Die berüchtigste Oerter, wo diese Seeräuber solches unrcchtiiche Ge-tverb treiben, fi> d Algier, Tunis, Tripoli, Salec, :c. Es ist aber keineStadt, allwo man mit diesen armen Christen, welche wie die Hunde an Kettengebunden werden, erbärmlicher umgehet, als in der Stadt Algier. Dannes werden daselbst, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, so wohl ehr»liehe Hausvater und Hausmütter, als Steuerleute, Soldaten, Edelleute,und Nuderknechte, so sie ans der Christenheit entführen, oder auf der Seegefangen bekommen, sie wehren sich gleich, ober nichr, und ohne einigen «n-der» Vorwand, als weil sie Christen sind, nachdem man sie öffentlich feil ge?bothen, und, wie man mit den Pferden und Lastthieren auf den Jahrmarckrenzu thun pfleget, sorgfaltig besehen, dem Meistbiethenden verkaufst; da mandann etliche kaufft gemeiner Stadt zu dienen, welche man, wie das Vicheanspannet, den Unrath aus der Stadt zu führen, oder die Materialien,Steine und andere Last zu tragen, wofür sie aber zu einer Vergeltung andersnichts, als faul, schimlicht Zweybackens, und dasielbe nur halb, und zweywderdreymahl in der Woche Bohnen zu essen bekommen.^
Etliche werden von l^cciculier - Personen gekaufft, ihnen zu dienen, undmüssen sich die'elbe von deme, was sie gewinnen, selber ernehren , und nochdarzu ihrem Herrn eine gewisse Summa davon lieffern, welcher sie, wann siehieran mangeihaffr erscheinen, mit einer Ochsen »Senne unbarmbertziglichschlagt. Etliche kaufft man, die Fäßlein mit siissem Wasser in die Schiff zutragen, andere aber werden zu Ruderknechten auf die Galeern gebraucht. Et-liche nss'ssen des Viehes auf dem Felde hüten, da sie dann von nichts anders,als von Krautern, eben wie das Viehe leben. Einige werden fo lange ge-fangen gesttzet, bis man sie wieder auelöset; sie werden aber allda so schlechtgehalten, daß die meisten entweder Hungers, oder von Kranckheir sterben, ehesie eine Antwort aus ibrer Heimat, wegen ihres Lösegelds bekommen können.Es sind auch viel Türcken zu finden, welche zu dem Ende Sclaven kaussen,damit sie dieselbe darzu bringen mögen, den Christlichen Glauben zu verlaug-nen, die sie anfänglich sehr scharff halten, hernach etwas gelinder mit ihnenumgehen, sie dadurch zu bewegen, daß sie die Mahometische Religion anneh-men. Etliche gebewihnen ihre eigene Töchter zur Ehe, vermeinend, daß siehiermit ein groffcs gottseliges Werek zu Ehren ihres Propheten Mahometsthun , und durch dieses Mittel Vergebung ihrer Sünden erlangen. DieChristen aber, so durch ein so schnödes Luder ibrer Seelen Seeligkeit vcr»scberhet, erzeigen sich gegen die andern Christen viel härter und unbarmherzi-ger, als die Türcken selber, und solte man lieber mit sechs Turcken, als miteinem einigen verlauMtten Christen zu thun haben; dann es ff einmal)! gewiß,