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Stammbaum der Familie des Dr. Martin Luther
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Hatte er sodann auch wohl selbst das Vorurtheil überwunden, sohatte er wohl nicht unrecht, wenn er meinte, daß er durch das Vor-urtheil Anderer, besonders seiner Gegner, über Unverbrüchlichkeit derCälibatsgelübde, bei diesem Schritte nicht nur selbst an Ansehen ver-lieren, sondern auch noch der guten Sache schaden würde. Diesfürchtete nicht allein er, sondern, wie der Erfolg lehrte, auch seineFreunde. Demnach aber sah er auch ein, daß er das Vorurtheil nurdurch die That besiegen könnte, und zum Siege nur durch eine alleWiderrede oder Bedenklichkeiten abschneidende UrPlötzlichkeit derHandlung gelangen könnte. Den Ausschlag zur Entscheidung hattejedenfalls das bestimmte Auftreten Johanns des Bestandigenbei seinem Regierungsantritt nach dem Tode Friedrichs desWeisen (den 5. Mai) eines Theils durch seine Erklärung, daß er dieSache derReformation inSchutz nehmen würde, andern Theils durchdie Aeußerung der Unzufriedenheit gegeben, daß die Geistlichen imehelosen Leben beharrten und sich manchen Ausschweifungen Hinga-ben. Daß aber Luther den Schritt zwar heimlich gehalten, abernicht ohne reifliche Ueberlegung gethan habe, dies kann man schonaus den getroffenen Vorbereitungen z. B. den Trauringen sehen,in denen er den Vers Matth. 19, 6. hatte einprägen lassen.

Den Vorgang selbst erzählt uns am besten sein Freund undAmtsgenosse Philipp Melanchthon in einem Griechisch geschrie-benen Briefe an einen Leipziger Freund, den berühmten ProfessorI. Camerarius, von welchem er im Urtexte mit den übrigenBriefen Melanchthons 1569 herausgegeben worden ist. Ichtheile denselben hier in der Uebersetzung meines Collegen, HerrnDr. Kreußler mit:

Gnade und Friede in Christo. Lieber Camerarius, da dasGerücht Euch verschiedene Nachrichten über Luthers Vermählunghinterbracht haben wird, so will ich Euch mittheilen, wie sich die Sachein der That verhält, und wie ich darüber denke. Am 13. Juni alsoheirathete ganz unvermuthet Luther die Katharina v. Bora,ohne irgend einem der Freunde sein Vorhaben anvertraut zu haben;sondern am Abend lud er Bugenhagen, den Maler LucasCranach und den Rechtsgelehrten Apel diese drei allein,

zu Tische und hielt den Hochzeitsschmaus. Vielleicht könnte es