kcn Johannes und unter ihm ein schwebender Engel, eineKrone über das niedergesunkene Haupt des Gekreuzigten hal-tend; davon sind gegenwärtig nur noch die beiden Seitcnfigu-ren übrig. Ebenso sind nur die beiden an der Wand ange-brachten runden Basreliefs von vergoldetem Silber, die Geburtund die Auferstehung Jesu vorstellend, geblieben. In den klei-neren Blenden, neben diesem Hauptfelde, sind die übrigen Apo-stel, drei zu jeder Seite angebracht. Auf der vorderen schma-len Seite rnbt ans einem Sessel die Mutter Gottes, mit einerKrone geschmückt und das Christnskind in ihrem Arme haltend.Gegenüber ans der linken schmalen Seite, ist die heilige Elisa-beth, in klösterlichem Gewände, in einer büßenden, demutbs-vollen Stellung, ein Buch in ihrer linken Hand haltend, darge-stellt. Die oberen Räume der vier Frontons des Monumentssind mir einem Zierrathe von durchbrochener, mit Perlen undJuwelen besetzter Arbeit geziert, und ans jedem derselben befin-det sich ein zierlich verarbeiteter, mit cmaillirtcn Figuren ge-schmückter Knopf, ungleich größer als ein großer Apfel. Außerdiesen vier Knöpfen sind auf der Schärfe des Daches nochdrei andere angebracht, wovon der miltclste etwas größer ist,als die übrigen. Die auf den beiden Dachflächen befindlichenund kunstreich gearbeiteten acht Basreliefs, wovon sich immerzwei nahe berühren, und welche sämmtlich Scenen aus demLeben der heiligen Elisabeth vorstellen, sind, wie die übrigenFiguren, von Silber und stark vergoldet und ihre Einfassungenreich mit schönen Steinen und Perlmuttern verziert. DieGrundfläche des Monuments ist etwas hervortretend, nud aufden vier Ecken, sowie unter jeder der an den Seitcnwändenbefindlichen Figuren, in einem Zirkelbogen ausgeschweift, sodaß derselbe mit dem darüber befindlichen Absätze eine Art vonThronstufe bildet.
Dieses prächtige Grabdenkmal war überdieß noch mitvielen Perlen und kostbaren Steinen jeder Art auf das ge-schmackvollste verziert. Allein während der wcstphälischen Re-gierung wurde es in Kassel, wohin es im December 1816 weg-geführt worden war, seiner köstlichsten Edelsteine (117) beraubtund das Monument selbst und die daran befindlichen Figuren,namentlich die Mutter Gottes und das Ehristuskind, vielfachbeschädigt. Erst nachdem der verewigte Kurfürst Wilhelm insein Land zurückgekehrt war, wurde es im August 1814 wiedernach Marburg gebracht und in der alten Sacristei, an demPlatze und binlcr dem Gitter, wo es so manche Jahrhundertcunversehrt gestanden hatte, wieder aufgestellt, — noch immerein sehenswerlhes Kunstwerk und zugleich ein sprechendes
Symbol des frommen Sinnes unserer Vorfahren und des fri-volen nichts heilig achtenden Geistes der letztverschwnndenenverhängnißvollcn Zeit!
In diesem prächtigen Grabmonnmente wurden nun ehe-mals die Gebeine der heil. Elisabeth bewahrt, und damit vielAberglaube getrieben, bis Landgraf Philipp der Großmüthigeim Jahre 153!», wo er den evangelischen Gottesdienst in derSt. Elisabethenkirche einführte, sie herausnehmen, an einemnur ihm und zwei vertrauten Personen bekannten Orte in dererwähnten Kirche begraben und „mit einem gemeinen gemark-ten Steine" bedecken ließ. Das Haupt der heil. Elisabeth be-fand sich damals in einem besonderen Wandschrank in derSacristei, und war noch mit eben derselben goldenen Kronegeziert, womit es Haiser Friedrich II., bei der feierlichen Er-hebung ihrer Gebeine, im Jahre 1236, hatte krönen lassen.Gegenwärtig sind die Krone und der goldene Becher, worindas Haupt der heil. Elisabeth aufbewahrt wurde, in Hessennicht mehr vorhanden. Das Monument wurde, nach heraus-genommenen Gebeinen und Kleinodien, wieder gehörig aufge-stellt, und das Schloß des eisernen Gitters versiegelt. ImJahre 1546 (am 22. Juli) wurde das Monument, der dama-ligen Kriegsunruhen wegen, nebst einem „mehrere Kleinodienenthaltenden Kistlein und einigen Kirchenparamenten", nach-dem darüber ein Inventarium verfertigt worden, nach der Fe-stung Ziegenhain gebracht, jedoch bereits am 12. Mai 1548nach Marburg zurückgeführt, und dem deutschen Orden wiederzugestellt. Mit dem Monumente und den Kleinodien, wovonindeß schon damals manche verloren gegangen sein mögen,wurden auch die Gebeine der Elisabeth, „so viel man derenbeim Wiederaufgraben noch vorfand," dem LandcommeuthurJohann von Rehen auf sein dringendes Bitten wieder einge-händigt; doch wurden dieselben nicht wieder in das Monu-ment hinein gelegt, sondern einige damals weggebracht undanderwärts verwahrt, andere hingegen, einer unverbürgtenSage nach, unter einem Steine neben dem Hochaltare begra-ben. Einige, der Sage nach, noch bis zum Jahre 1634 in derSt. Elisabethenkirche aufbewahrt gewesene Gebeine dieser Hei-ligen sollen damals gestohlen worden sein. Uebrigens standendie Reliquien der heil. Elisabeth auch außerhalb Marburg ehe-mals in hohem Werthe. Einige kamen nach Meißen, anderenach Ungarn, noch andere nach dem Nonnenkloster zu Alten-berg bei Wetzlar :c. Das Haupt der Heiligen aber, wird andrei verschiedenen Orten zugleich, zu Breslau, Wien und Brüs-sel, noch jetzo vorgezeigt (!).