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Diese etwa sechs Stunden von Marburg entfernte kurhessische Stadtlehnt sich an eine Höhe welche östlich beginnend allmählig gegenWesten aufsteigt, und hier ein schönes Plateau bildend, steil undjäh wieder zum Thale sich abstürzt.
Zwischen dem nördlichen Fuße dieses Berges und demrechten User der Eder zieht sich die kleine Neustadt hin, woge-gen der ganze östliche Abhang, von dem Gipfel bis zum Thale,und theilweise auch der nördliche Abhang, von der Altstadt be-deckt wird. Auf dem Gipfel selbst, von dem sich eine schöneAussicht über das rings von waldigen Höhen eingeschlossene Eder-thal entfaltet, erhob sich ehemals eine stattliche Burg der Land-grafen, deren letzter Bewohner Hermann von Trcfurt war; denndie Bürger, gereizt durch dessen Uebermuth, und müde derDrangsale, welche sie von ihm und den Seinigen zu erduldenhatten, legten in einer dunkeln Nacht Feuer an die Burg, undverwandelten dieselbe 1374 in einen Schutthaufen. Nahe derjetzt völlig geebneten Burgstätte, und zwar zwischen dieser undder Stadt, liegt die schöne Pfarrkirche, welche jetzt, nach demVerschwinden der Burg, das höchstgelcgene Gebäude ist, unddeshalb auch, hoch hervorragend, mit ernster Haltung die ganzeUmgegend beherrscht.
Außer dieser Kirche hatte Frankenberg früher noch mehrereKapellen. Zunächst jener gegen Mittag liegt die mit derselbenerbauete ehemalige Hospitalskirche, welche später 138 Jahre lang,und zwar bis 1817, der reformirten Gemeinde zu ihrem Got-tesdienste diente; am entgegengesetzten Ende der Altstadt, beimhohen Thurme, lag die s. g. Haidekirche (die Kapelle auf derHaide), welche schon im Anfange des vierzehnten Jahrhundertsvorhanden war, und später dem Kloster Haina übergeben, imvorigen Jahrhundert abgebrochen wurde; sowie endlich die Ka-
pelle der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Johannes,welche der Subdiacon Otto Frieling, gebürtig aus Frankenberg,im Jahre 1316 unter dem nördlichen Hagen der Burg, an derStelle eines Schafhofs stiftete, wo zwanzig Jahre nachher Land-graf Heinrich der Eiserne die Neustadt anlegte. Auch läßt sichhier noch das Kloster St. Gcorgenberg aufführen. Dieses Frauen-stift, welches 1242 von den Herren voa Jttcr gegründet worden,befand sich zuerst zu Butzbach an der Eder, zwischen Franken-bcrg und Sachsenberg, da wo noch jetzt die Trümmer einerKapelle, der Butzkirche, sichtbar sind, wurde aber schon nachdreijährigem Bestehen 1245 in das damalige Dorf Hadebrands-dorf, unter den westlichen Fuß des frankcnberger Burgbergsverlegt, und kam dadurch mit Frankenberg selbst in die unmit-telbarste Beziehung. Doch nur der oben erwähnten Pfarrkirchesollen diese Blätter gewidmet sein.
Obgleich der frankenbergische Chronist Wigand Gerstenber-ger, genannt Budenbender, das Dasein seiner Vaterstadt biszu den Morgendämmerungen unserer deutschen Geschichte, bis zudem fränkischen Könige Theoderich hinaufführt, und sie schonreich und blühend unter Karl dem Großen schildert, so beruhendoch diese Angaben sicherlich auf keinem anderen Grunde, alsjenem falschen Patriotismus, der auch bei vielen andern Chro-nisten aus Gerstenbergcr's Zeit sich kund gebend, lediglich umeines scheinbaren Ruhmes willen, die Wahrheit der Geschichteprunkenden Phantasie-Gebilden zum Opfer bringt. Eö ist viel-mehr aus vielen und triftigen Gründen sehr wahrscheinlich, daßFrankenberg erst den letzten Landgrafen des thüringischen Hausesseine Entstehung zu verdanken habe.
Unter dem letzten der thüringischen Fürsten, dem Land-grafen Heinrich Raspe, unter dem uns Frankenbergs Name