Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Massel.

Massel, Haupt- und Residenzstadt des KurfürstenthumsHessen, liegt in einem Thalc, durch welches die Fulda, be-reits als schiffbarer Fluß, in mannichfaltigen Krümmungen vonSüden nach Norden sich hinwindet. Nordwärts wird dasselbevon Vorbergen des Rcinhardswaldes, im Westen vom Ha-bichtswald und im Süden vom Sörewald beherrscht; gegenOsten zieht sich, beim Dorfe Bettenhausen vorbei, eine weite,durch geringe Hügel eingefaßte Ebene, über die in weiterFerne der Meißner sein Haupt erhebt. Die Stadt liegt ineinem Umfange von anderthalb Stunden an beiden Ufern derFulda, und zwar der bei weitem kleinste Theil die Unter-neustadt am rechten Ufer des Flusses, der größere aber die Oberneustadt und die Altstadt am linken, vonwo sich derselbe südöstlich eine ziemliche Anhöhe hinaufzieht,von deren Gipfel man die schönste Aussicht in die umliegendeGegend genießt. Ueber die Fulda führt eine schöne, 273 Fußlange und 42 Fuß breite, steinerne Brücke von drei Bogen,welche die beiden Theile der Stadt verbindet und nach ihremErbauer, dem Kurfürsten Wilhelm I., die Wilhelmsbrückegenannt wird. Wie die daran stehende Inschrift nachweist,wurde sie in den Jahren 17881794 statt der vorigen altenaufgeführt.

Kassel verdient mit vollem Rechte, eine der schönsten StädteDeutschlands, ja Europa's genannt zu werden; eine Ehre, diees hauptsächlich dem Landgrafen Friedrich II. und seinen bei-den Nachfolgern, den Kurfürsten Wilhelm I. u. II., verdankt.Was nur die schöpferische Hand der Kunst aus der natürlichenLage der Stadt und ihren Umgebungen schaffen konnte, hat siegethan, die herrlichsten Denkmäler der Baukunst und ver-schönernde Anlagen aller Art. Von den schon obengenanntendrei Stadttbeilen, in die Kassel zerfällt, nimmt vor Allem dieOb er Neustadt, als der schönste, unsere Aufmerksamkeit inAnspruch.

Während die Altstadt und die von derselben durch dieFulda getrennte Unterneustadt unregelmäßige Plätze, krummeund zum Theil enge Straßen von ungleicher Breite und Länge

und meist hölzerne Häuser haben, sind in der, ursprünglich vonreformirten französischen Flüchtlingen angelegten, Oberneustadtdie freien Plätze durchgängig regelmäßig, und zum Theil sehrgeräumig, die Straßen breit und schnurgrade, die Häuser fastsämmtlich massiv und im modernen Styl, zum Theil prachtvoll,erbaut. Sie liegt zugleich auf der äußersten Höhe der Stadt,so daß man von derselben und besonders von der darnach be-nannten Bellevuestraße die schönste und frcieste Aussicht genießt;weßhalb auch diese ganze Seile der Stadt nur mit einem eiser-nen Stackete auf niedrigem Gemäuer umgeben wurde. Wirreden am süglichstcn von den vornehmsten Gebäuden und son-stigen Merkwürdigkeiten der Oberneustadt, sowie der beidenübrigen Stadttheile, in Verbindung mit den öffentlichen Plätzenund Straßen, an und bei welchen sich dieselben befinden.

Der Friedrichsplatz, der größte und schönste von al-len, welcher vor der ganzen Fronte der Oberneustadt herläuftund sie von der Altstadt scheidet, ist 100V Fuß lang und 450Fuß breit. In der Mitte desselben steht die kolossale Statue desLandgrafen Friedrich II., welche die hessischen Landständenoch bei seinen Lebzeiten im Jahr 1783 durch den verstorbenenBildhauer Nahl mit einem Aufwand? von 20,000 Thalernauf das meisterhafteste aufführen ließen. Die Bildsäule istaus weißem carrarischem Marmor gehauen und hat ohne dasPiedestal 15 Fuß Höhe; der Kopf ist äußerst ähnlich und dieganze Figur hat eine sehr edle Zeichnung. Der Landgraf iststehend, in römischem Costüme, mit dem Eommandostabe in derHand und dem britischen und einem Theil des preußischen Ad-lerordens auf der Brust, vorgestellt; zur Rechten liegen aufeinem Kissen der hessische goldne Löwenorden und der Ordenpour la vortu militaire. Das Piedestal, welches nebst denStufen 22 Fuß hoch ist, trägt in vergoldeter Bronze die ein-fachen Worte: kriüorieo II. ?alria. Eine zweite Inschriftließ Kurfürst Wilhelm I., als er dieses Monument, welcheswährend der französischen Herrschaft weggenommen worden war,im Jahr 1818 wieder aufrichten ließ, zum Gedächtnisse dieserFeierlichkeit darauf setzen.