Fahrbahn besteht aus Eichenholz; die 38 Fuß langen, von deneisernen Tragstangen gehaltenen Querbalken, sind mit 3 Lageneichener Planken oder Bohlen überdeckt, die zusammen eineStärke von 6 Zoll ausmachen; die beiden Fußwege sind umFuß über die Fahrbahn erhoben. Zur Verhinderung derbei Kettenbrücken unvermeidlichen Schwankungen, ist das Ge-länder nach der amerikanischen Methode des Obersten Lunitzconstruirt. Durch die doppelte Kreuzverbindung dieser Hölzer unddie wechselseitig sich unterstützende Verstärkung derselben, ist derbeabsichtigte Zweck möglichster Ruhe und Bewegungslosigkeit er-reicht. Dabei sind die einzelnen Geländerstrecken mittelst eiser-ner Keile scharf gegen einander getrieben und können bei zuneh-mendem Schwinden des Holzes noch nachgetricben werden. ZurAbwäfserung der Bahnstrecke dienen Einbohrungcn in den Boh-lenbeleg der Fahrbahn und zwar sind auch diese mit eisernenRöhren vereint. Die Mitte der Fahrbahn ist um 30 Zoll con-cav, so daß schon dadurch der Länge nach die Abwässerungmöglich bleibt; der Quere nach liegt die Bahn wagerccht.
Das ganze, nach Urtheil aller Sachverständigen, vortreff-lich construirte Werk, eine Zierde der Gegend, wurde auf Ko-sten der Negierung erbaut. Sie kostet mit Einschluß der Jn-terimsbrücke (welche zwei Mal gebauct werden mußte, da dasWasser solche zerstörte) nur 64,000 Thaler, wozu die Stadt10,000 Thaler beitrug, und das Brückengeld abtrat; letzteresist jetzt für 3000 Thaler jährlich verpachtet.
Der Erfinder der ganzen Anlage ist der Ingenieur-Ge-neral Prott in Hannover, der ausführende Baumeister der Jn-genicur-Kapitain und Wegbaumcister Wendelstädt daselbst.
Die Brücke wurde beendigt und eingeweiht den 1. Sep-tember 1839. Die Probebelastung betrug 4000 Centner; dieAnnahme der Dimension läßt ein 8 Mal größeres Gewicht zu.
Von sonstigen Bauwerken ist noch die große Schleusein der Weser zu erwähnen, welche zur Erleichterung der Schiff-fahrt in den Jahren 1732 und 1733 mit einem Kostenaufwandevon fast 100,000 Thaler von der Landesregierung errichtet wurde.
Die Erwerbszweige der Stadt bestehen vorzugsweisein dem Ackerbau, der Lederfabrikation, Schönfärberei und Bier-brauerei; Handel und Schifffahrt sind nicht von Bedeutung.Der früher so bedeutende Lachsfang in der Weser, sinkt vonJahr zu Jahr; es wird jetzt dafür ein jährliches Pachtgeld von300 Thaler an die Kämmerei der Stadt gezahlt, während vor50 Jahren mehr als 1500 Thaler dafür gezahlt wurden.
Seit etwa 12 Jahren ist die städtische Brauerei verpachtet,und wird seitdem ein kräftiges, beliebtes Bier, dem Baierschenähnlich, gebraut, wovon alljährlich nicht unbedeutende Quanti-täten nach Südamerika ausgeführt werden.
Von Fabriken würden folgende zu erwähnen sein: dieCementfabrik der Herren Wendelstädt und Meper, dicht bei derStadt belegen, mit einer Dampfmaschine versehen: die Papier-fabrik des Herrn v Jülich zu Werthheim, etwa '/- Stundevon der Stadt unfern der Pprmonter Chaussee, mit sehenswer-then Dampf- und anderen Maschinen; die Fabrik von wollenenZeugen und Wollgarn der Herren Wessel in Marienthal, etwa1/4 Stunde von der Stadt entfernt, an der nach Hannover
führenden Chaussee. Ein Zweig dieser letztern Fabrik, die Ver-fertigung sehr geschmackvoller Fußteppiche, auch von den kost-barsten Sorten, befindet sich in der Stadt, in einem Hause derfrüheren Strafanstalt an der Weser. In allen diesen Fabrikenwerden mehrere 100 der geringern Einwohner der Stadt beschäftigt.
Vergnügungsörter in der Nähe der Stadt sind außerden Wilm'schen und Drever'schen Gärten, theils die StädtischenWarten — ehemalige Landwehren — als die Wehrberger,Afferdeschc, Rohrser und Klemenberkclsche Warte — theils diein den ausgedehnten Städtischen Waldungen belegcnen Forst-häuser: Finkenborn, Heiserküche und Wchle, vor allem aberder an einem Vvrsprunge des Klütberges angelegte Felsenkeller,mit geschmackvollen Anlagen und herrlicher Aussicht über dasThal. Wer einer umfassenderen Aussicht über einen bedeuten-den Theil des romantischen Weserthals bis nach Minden ge-nießen will, steigt von da auf die Spitze des Klütberges —etwa 800 Fuß hoch — welcher mit den Trümmern der Cita-delle der ehemaligen Festung, des Forts George, bedeckt ist.
Vor Allem aber ist ein Ausflug nach dem Park und Gar-ten von Ohr, Besitzung des Herrn von Hake, zu empfehlen.Der Garten, etwa 1 Stunde von Hamcln, am Ufer der Weserbelegen, ist ausgezeichnet durch geschmackvolle Anlagen, undTreibhäuser mit den seltensten erotischen Gewächsen angefüllt.Ein reißender Wiescnpfad führt aus dem Garten zum Ohr-berge, einem freistehenden, schön bewaldeten Berge, der vondem zu früh verstorbenen kunstsinnigen Baron Adolph von Hakezu einem Parke umgeschaffcn ist, welche an Größe und ge-schmackvollen Anlagen neben berühmten englischen Parks ge-nannt werden kann. Hier sind sehenswerth die Kottage aufder Spitze des Berges, die Einsiedelei auf steilem Felsen hartüber der Weser erbaut, das Denkmal des Gründers dieser An-lagen, und vor Allem die Fcrnsichten von beiden Seiten desBerges in das freundliche schöne Weserthal.
Dieses bietet um Hamcln einen Reichthum von empfeh-lenswcrthen Ausflügen dar: Hastenbeck, Gut des Herrn vonReden, mit geschmackvollem Garten; in der Nähe das Schlacht-feld aus dem siebenjährigen Kriege, etwa 1 Stunde entfernt;Schwöbber, Gut des Barons von Münchhausen, mit Schlosseim Renaissancestpl, großem Garten, welcher bedeutende Ge-wächshäuser und viele seltene Bäume enthält, etwa 1 Meileentfernt. Ebensoweit ist Hämelschenburg, Gut des Herrn vonKlencke, ausgezeichnet durch das Schloß, welches ein Musterjenes Stpls ist; in demselben Style ist Hehlen, Schloß desGrafen von der Schulcnburg, erbaut und in gleicher Entfer-nung belegen.
Von Hamcln aus gelangt man auf guten Chausseen inetwa 3 Stunden, sowohl nach dem kräftigen Schwefelbade Eil-sen in der Nähe von Büdenburg, als nach Pyrmonts berühm-ten Stahlquellen, früher der Sammelplatz der eleganten WeltEuropa's. Beide Heilquellen liegen in reitzender Umgebung.Der Reisende, welcher Eilsen besucht, wird nicht verfehlen, dieunfern davon liegende Paschenburg, oberhalb der Schaumburg,zu besuchen, von welcher er das umfassendste Panorama desWeserthals genießt.