Druckschrift 
12 (1829)
Entstehung
Seite
XIII
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XIII

Dieses Gesez befiehlt, da Recht und Unrecht selten aufder einen Seite allein ist, und eine jede Partei eine starkeund schwache Seite hat, der Waage durch das Gewicht derFreundschaft niemals den Ausschlag zu geben, oder im ge-ringsten zum Bortheil unseres Herzens oder unserer Vor-theile zu entscheiden. Ein Geschichtschreiber soll vergessenhaben, sagt jemand, daß er aus einem gewissen Lande ist,oder daß er in einer gewissen Gemeinschaft erzogen worden.Allein da in Sachen, welche die Religion betreffen, dasHerz nicht allemal sagen kann: so ist es, und anders kannes Nichtsein; so glaubeich, man könne ohne Strafbarkeitsich zuweilen der Entscheidung entziehen.

Ein Gesez aber, welches den mündlichen Bortrag ins-besondere angehet, enthalten die Worte des römischenRedners:Nichts ist in einer Geschichte angenehmer, alseine erleuchtete Kürze."*) Ausführliche Berichte gehörenfür große Gefchichtlchreiber.

Auf diesen Grund ist die Lehre gebauet, welche jemand,eine Erzählung angenehm zu machen, gibt, nämlich nurmit halben Worten zu erzählen; und diese wohlver-standen und weislich angewandt, wird auch hier seltentrügen: sie sezet den Vortrag vor dem Ekel, und den Zu-hörer vor dem Schlaf in Sicherheit. Das Stillschweigenselbst ist oft, wie des Ch ry fe s beim Homer, lehrreich.Man bilde sich ein, man rede gegen Personen, die der Ge-schichte nicht unkundig sind, und nicht sowohlUnterrichtals vielmehr eine Erinnerung ihrer Kenntnisse wün-schen; diese Vorstellung wird die Anwendung des Vori-gen geben.

Dieses sind die großen Lehren, welche einen edlen underhabenen Vortrag können bilden helfen.

Eine kurzgefaßte Erzählung hat die Art dichter Kör-

*) tüc. ill Lrut. 75.