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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
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24. Graf Friedrich Wilhelm.

1678 1727.

(2. Sohn von No. 4, Vater von No. 28 bis 35.)

Stifter der Linie "Walslebe'n.

geboren zu Berlin 18./28. Juli 1678, Pathe des grossen Kurfürsten, ward 19. März 1696 Ritter des Johan-niter-Ordens, studirte 1697 bis 1701 auf der Universität zu Utrecht und ward im Alter von 30 Jahrenam 9. Februar 1709 zum Oberhofmeister 1 ) der Königin Sophie Luise, 2 ) der dritten Gemalin des KönigsFriedriehl in Preussen, berufen, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode verblieb. 3 > Am 13. Juli 1712erhielt er den Schwarzen Adler-Orden und folgte 1713, mit dem Scepter in der Hand, der Leiche KönigFriedrichs I. Unter König Friedrich Wilhelm I ward er Geheimer Rath 4 ) und Mitglied des Staatsrathsund ging in diplomatischer Sendung 1716 nach Wien und 1723 nach Dresden. Er starb, erst 49 Jahr alt,zu Walsleben 6. August 1727 und wurde in der dortigen Kirche beigesetzt.

Die Erbkämmerer-Würde war 1705 durch den Tod seines Vaters auf ihn übergegangen. Gleich-zeitig hatte er als väterliches Erbe die Majorate: die Herrschaft Alt-Landsberg und die Wilden-hoffschen Güter erhalten; ferner die Zuchenschen und Thunowschen Güter, sowie auch das amMolkenmarkt in Berlin belegene Haus. 5 '

Auf ausdrückliches Verlangen des Königs Friedrich I, welcher für den Ort seiner Erziehung 6 ) besondereVorliebe hegte, 7 > verkaufte er diesem am 9. September 1708 die Herrschaft Alt-Landsberg, zu deren Amts-hauptmann er jedoch ernannt wurde. 8 ) Er erhielt dagegen zunächst das Amt Storkow, welches er abergegen Zahlung von 200,000 Thalern wieder abtrat und an Stelle dessen er für 53,000 Thaler vom Geh.Rath und Kanzler Christoph Wambold von Umbstadt die in der Provinz Brandenburg im Kreise Ruppinbelegenen Walslebenschen Güter kaufte, 9 ) auf welche nun das an dem Landsberger Besitz haftendeRecht der Erstgeburt und auch die damit verknüpfte Erbkämmerer-Würde überging. Zu diesem Majoratlegte er auch das 1723 erkaufte Gut Katerbow. 10 ) Die 1713 im Teltower Kreise erworbenen Güter Bohns-dorf und Britz 11 ' verkaufte er 1719 wieder. Auf den Wildenhofifschen Gütern legte er 1727 das VorwerkAmalienhof an. 12 )

Die Güter Tli.unow, Geritz. und Streckentin 13 ) wurden 1706 von Marcus von Wolden eingelöst; ebenso1717 die Zuchenschen Güter 14 ) vom Landrath Jacob Adrian von Heydebreck. 15 ) Der schon von seinem Vatergeführte langwierige Prozess wegen der Zachanschen, Lassehneschen und Timmenhagenschen Güter endete1706 zu Gunsten der Wittwe seines Oheims (No. 10). 16)

Die im Jülichschen belegenen Nothhausenschen Güter waren seiner Mutter verblieben, welche ihnüberlebte. 17 ) Die gesammte Hand erhielt er 1712 an den in Meklenburg belegenen BlanckenburgischenGütern, 18 ) sowie 1713 an Wopersnow und Lieps. 19 ) 1715 erhielt er vom König Friedrich Wilhelm I eineBestätigung seiner Lehen. 20 '

Ein zu Charlottenburg, gleich dem Königl. garten über belegenes, von ihm erworbenes Wohnhaus, ver-kaufte er 1723 wieder. 21 ) Dagegen hatte er bereits 1712 sein Berliner Haus noch prächtiger erbaut undmit kostbarem Hausrath reichlich versehen.

Der Oberhofmeister hatte sich zweimal vermält: 1) 17. December 1704 mit Charlotte Luise Freiinvon der Heyden, einer Tochter erster Ehe 22 ) des Generals der Kavallerie Johann Sigismund WilhelmFreiherrn von der Heyden mit Anna Luise geb. von Quadt zu Landskron. Dieselbe war 1678 geboren,nahm die katholische Religion an, verliess ihren Mann, ging nach Köln am Rhein und dann nach Wien,woselbst sie sich im Laurentius-Kloster aufhielt; die Kaiserin Amalia, Wittwe Kaiser Josephs I, verlieh

1) U. B. II. 681. 2) Eine geborene Prinzessin von Meklenburg - Schwerin, geboren 1685, vermält 1708, Wittwe 1713,

gestorben 1735. 3) Nach den Memoiren von Pöllnitz war er ein Mann, der Pracht liebte und mit vieler Artigkeit jenen gesellschaft-

lichen Tact, der liebenswürdig macht, verband. Dagegen wird ihm der Vorwurf gemacht, dass er es nicht verstanden habe, die

junge Königin, welche an das Geräusch eines so glänzenden Hofes nicht gewöhnt war, in vorkommenden Fällen richtig zu be-

rathen. Vgl. Vehse, Gesch. d. Preuss. Hofes und Adels. Werner Hahn, Friedrich der Erste, König in Preussen. Berlin

1876. S. 240. 4) Vgl. U. B. II. 698. 5) Vgl. U. B. II. 698. 6) Vgl. bei No. 1. 7) Der König residirte dort auch während

der Sommer-Monato von 1709 bis 1712. Später verfiel das Schloss, brannte 1757 ab und wurde gänzlich abgetragen. 8) Als

solcher erhielt er jährlich 1200 Thaler. 9) U. B. II. 684. Vgl. Berghaus, Landbuch der Provinz Brandenburg, 2. Bd. S. 359

363. 10) U. B. II. 693. Im Geh. Staats-Archiv zu Berlin befinden sich interessante Acten über dieses Gut. 11) U. B. II.

685, 690. 12) Chronik der evangelisch - lutherischen Kirche zu Canditten. 13) Vgl. No. 11; auch U. B. II. 688. 14) Vgl. bei

No. 4; auch U. B. II. 688. 15) Berghaus, Landbuch 1867, 3. Theil 1. Bd. S. 475. 16) ü. B. II. 679. 17) Vgl. No. 4 und 29.

18) Vgl. bei No. 1. 19) U. B. II. 686. 20) U. B. II. 688. 21) U. B. II. 694. 22) Vgl. No. 20.

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