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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
262
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6. Graf Friedrich Albrecht.

1717 1789.

(2. Sohn von No. 3, Vater von No. 13 bis 15.)

geboren zu Berlin 7. April 1717, von dem damals 5 Jahre alten Kronprinzen (nachmals König Friedrichder Grosse) über die Taufe gehalten, 1 ) bezog 1733 die Universität Halle, von wo er auf Veranlassung desFürsten Leopold von Anhalt-Dessau nach Potsdam zum König Friedrich Wilhelm I ging und auf dessenWunsch 1735 als Cornet in das Kürassier-Regiment Prinz August Wilhelm von Preussen No. 2 eintrat,ward 1738 Lieutenant und machte dann die Schlesischen Kriege mit, insbesondere die Schlacht beiChotusitz (17. Mai 1742), in welcher sich das Regiment durch zwei feindliche Treffen durchhieb; die dabeierbeuteten Fahnen und Gefangenen musste Friedrich Albrecht dem Könige überbringen. Am 25. März 1745ward er als Rittmeister zum Regiment Gensdarmes No. 10 versetzt, erhielt dort sogleich eine Kom-pagnie, mit welcher er 1745 bei Hohenfriedberg (4. Juni) und Sorr (30. September) focht, ward nach demFrieden von 1745 Major und machte den siebenjährigen Krieg mit. In der Schlacht bei Lowositz(1. October 1756), in welcher viele Offiziere des Regiments getödtet und schwer verwundet wurden, über-nahm er das Kommando des Regiments, welches zwei Standarten eroberte; er wohnte dann auch derSchlacht bei Prag (6. Mai 1757) bei und befehligte das Regiment auch noch am 5. November 1757 inder Schlacht bei Rossbach, in welcher er schwer verwundet wurde, aber für Auszeichnung in derselben denOrden pour le merite erhielt und mit einem vom 5. October vordatirten Patent zum Oberstlieute-nant befördert ward, obgleich er noch 20 Majors vor sich hatte. Bei Zorndorf (25. August 1758), wo seinRegiment 7 Fahnen und 14 Kanonen eroberte, ward er abermals verwundet; zeichnete sich beim Ueberfallvon Hochkirch (14. October 1758) rühmlich aus, ward 1758 zum Oberst befördert und erhielt 1760 dasKommando über die Brigade des Generals von Lentulus, seines Schwagers (vgl. No. 8), welche aus denRegimentern Gensdarmes und Garde du Corps bestand. Er befehligte dieselbe auch in der Schlacht beiLiegnitz (15. August 1760); nach derselben trat auch noch das Leib-Carabinier-Regiment zu seiner Brigade,mit welcher er am 3. November 1760 erheblich zum Siege bei Torgau beitrug. In der Nacht nach dieserSchlacht aber gerieth er auf einem Recognoscirungs-Ritt, durch die Farbe der Kollette verleitet, in öster-reichische Kriegsgefangenschaft, ward am Wiener Hofe mit Auszeichnung behandelt und im Mai 1761 aus-gewechselt, v worauf er zum Chef des Regiments Gensdarmes ernannt wurde. Am 27. Februar 1762erhob ihn König Friedrich der Grosse in den Grafenstand. 3 ) Am Tage vor der Schlacht von Burkersdorf(20. Juli 1762) ward er vom Könige mit einer höchst wichtigen und vertrauten Sendung zu dem RussischenFeldmarschall Tschernitscheff beauftragt, 4 ) deren Folge die wenn auch nur passive Mitwirkung derRussen bei der gedachten Schlacht war. 1763 erhielt er zwei Präbenden beim Stift Unserer lieben Frauenzu Halberstadt. Am 4. September 1764 zum Generalmajor befördert, erhielt er im Mai 1768 den er-betenen Abschied und lebte darauf einige Jahre auf seinem Gute Bohrau, dem er grosse Sorgfalt widmeteund woselbst er 1771 eine Kirche erbaute. 5 )

Vom König wieder nach Berlin berufen, ward er dort mit demselben Amt betraut, welches bereitssein Vater und sein Grossvater bekleidet hatten, indem er am 20. September 1775 zum Oberstall-meister 6 ) mit dem Prädikat Excellenz ernannt wurde. Am 31. März 1682 ward er überdies WirklicherGeheimer Staats-Minister mit Sitz und Stimme im Staatsrath. 7 )

Von Jugend auf ein vertrauter Freund des grossen Königs, war er nun auch dessen steter Begleiter,wohnte bei ihm im Schlosse von Sanssouci und gehörte zu den fünf täglichen Genossen der KöniglichenTafelrunde. 8 ) Er war ein vornehmer gebildeter Herr, voll treffenden Witzes, dem der König bis an seinEnde ganz besonders zugethan war, 9 ) wie ihm denn auch Beweise der Königlichen Huld und Gnade un-ausgesetzt zu Theil wurden. 10 ) Am Morgen des 17. August 1786 gehörte er soeben von einer Reise

1) Berliner Dom-Kirchenbuch. 2) Gräfin Voss, Neun und sechzig Jahre am Preussischen Hofe. S. 8. 3) U. B. II. 719.

4) Sonntags - Beilage zur Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 7. November 1874. No. 45: Friedrich II und Tschernitscheff

1162. 5) Bohrau und seine Kirche. Eine Gedenkschrift von Friedrich Curt Fabian Emil Graf von Schwerin (vgl. No. 28).

6) U. B. II. 721. 7) U. B. II. 724. 8) Vehse, Geschichte des Preuss. Ilofes und Adels. Die vier anderen Tischgenossen des

Königs waren: der Marquis Luchchesini, Graf Carl Friedrich Adam von Görtz, Graf Pinto und Graf Hertzberg. 9) K. W. v. Schö-

ning, Leben des Feldmarschalls von Natzmer. S. 433. 10) So ist u. A. auch das in der Kirche zu Bohrau aufgestellte Basrelief,

welches den Heldentod des Feldmarschalls Schwerin (Taf. X. 32) allegorisch darstellt, ein Geschenk des Königs aus dem Jahr1783. Durch ein Schreiben vom 22. September 1776 forderte der König den Oberstallmeister, als Aeltesten der Schwerin'scbenFamilie, auf, sich im Namen der Familie beim Kaiser Joseph II für die von diesem dem Andenken des Feldmarschalls auf demSchlachtfelde von Prag bewieseno Ehrenbezeugung (vgl. Anm. 7 auf S. 204) zu bedanken und fügte auch gleich einen Entwurf zu solchem

Danksagungsschreiben bei. Das Original dieser Schreiben wird in Bohrau bewahrt. Eine besonders zarte Aufmerksamkeit bewies