10. Gräfin Charlotte Luise Dorothea Ottilie.
1775 — 1796.
(Aelteste Tochter von No. 5.)
geboren zu Schwerinsburg 4. October 1775, verlobte sich zu Prenzlau 11. December 1795 mit dem nach-maligen Königl. Preussischen Generallieutenant Friedrich Wilhelm Leopold Freiherrn von Gaudy, 1 ' starbjedoch als Braut 27. Januar 1796 zu Stendal in der Altmark, wo sie sich zum Besuch bei der Schwesterihrer Mutter, der Feldmarschallin von Knobeisdorff, aufhielt, und woselbst im Februar j. J. die Hochzeitstattfinden sollte. Ihre Leiche wurde in der Jacobi-Kirche zu Stendal beigesetzt; die von ihrem Bräutigamverfasste Grabschrift lautet: Durch Sanftmuth, Seelengrösse, einen feinen gebildeten Geist und durch einedles tugendhaftes und fühlendes Herz erwarb sie sich allgemeine Verehrung.
11. Graf Carl Wilhelm Ludwig Heinrich.
1776 — 1839.
(Aeltester Sohn von No. 5, Vater von No. 25 bis 32.)
geboren zu Schwerinsburg 19. December 1776, erzogen auf der Ritter-Akademie zu Brandenburg, ward1793 Cornet im sogenannten gelben Reiter- Regiment, 2 ' 1796 Seconde-Lieutenant, nahm 1802 den Ab-schied und übernahm in Folge einer Auseinandersetzung mit seinen Brüdern aus der väterlichen Erbschaftdie Putzarschen Güter: Putzar, Glien, Sophienhof, Sarnow, Wendfeld, Boldekow und Bornmühl. Zudiesen kaufte er im Jahr 1812 von seinem Bruder Curd (No. 16) die Schwerinsburger Güter:Schwerinsburg, Werder, Löwitz und Wusseken, und im Jahr 1834 auch die von seinem Oheim, dem General-lieutenant (No. 4), aus dem Lehnsgange verkauften Güter: Zinzow, Rubenow, Borntin und Cavel-pass. Graf Heinrich nahm seinen Wohnsitz anfänglich in Boldekow, später in Schwerinsburg und endlichin Patzar. Er war ein eifriger Landwirth und, trotz der ungünstigsten Zeitverhältnisse, gelang es seinerumsichtigen Leitung und seiner rastlosen Thätigkeit, den Werth seines ausgedehnten Grundbesitzes be-deutend zu erhöhen.
Ein besonderes Verdienst erwarb er sich um die Schwerinsche Familie, welche wesentlich seinen un-ermüdlichen und umsichtigen Bestrebungen den Wie der gewinn der alten Spantekowschen Familien-lehen 3 ' verdankt. Schon im Jahre 1803 bewirkten seine dringenden Anträge die Wiederaufnahme desProzesses 4 ) um diesen Besitz, und 30 Jahre lang hat er unerschütterlich ausdauernd, die grössten Schwierig-keiten ebnend, diese Angelegenheit geleitet, bis endlich im Jahr 1833 ein Vergleich mit dem Fiscus die-selbe zum Vortheil der Familie entschied. 5 ' Die Spantekower Güter wurden der Schwerinschen Familiezurückgegeben, und in unbeschränkter Vollmacht seiner Mitbesitzer 6 ' verwaltete demnächst Graf Heinrichdieselben bis zu seinem Tode.
Aber auch im öffentlichen Leben wirkte er erspriesslich. Im Jahr 1813 als ständischer Kom-missarius bei Bildung der Landwehr besonders thätig, that er sich während der Kriegsjahre 1813 —15durch patriotischen Eifer und Hingebung für die öffentlichen Interessen vielfach hervor. 7 ' Im Jahre 1818berief ihn die Wahl seiner Mitstände zum Landrath des Anclamer Kreises, welches Amt er bis zumJahre 1834 verwaltete und darin besonders der Ordnung der ländlichen Communal-Verhältnisse, der Be-freiung des Bauernstandes, der Hebung der Landschulen und der Kirchen-Verhältnisse seine Sorgfalt zu-wendete. König Friedrich Wilhelm III ehrte seine Verdienste durch Verleihung des Rothen Adler-Ordens 2. Klasse. Ritter des Johanniter-Ordens war er bereits seit 27. December 1813.
Das der Schwerinschen Familie zustehende Erbküchenmeister-Amt des Herzogthums Alt-Vor-pommern ward ihm 1834 übertragen.
1) Gaudy's Selbstbiographie, Mscpt. im Besitz der Gaudy'schen Familie, S. 200 ff., berichtet ausführlich über die Braut.
2) Kürassier - Regiment No. 2, von der Marwitz, später von Schleinitz, Garnison Gransee. 3) Vgl. Taf. VIII. 53, 54. 4) Ku-
nowski, Sammlung der wesentlichsten Actenstücke und Urkunden über die Reluition von Spantekow. 5) Kunowski a. a. 0.
6) 1833 besuchte er auf einer Reise, die er gemeinschaftlich mit dem berühmten Theologen Schleiermacher durch Schweden,
Norwegen und Dänemark machte, seine schwedischen Vettern. Vgl. „Aus Schleiermacher's Leben. In Briefen". Vgl. Taf. XI.
26. Anm. 5 auf S. 214. 7) In jener Zeit gab er auch zu wohlthätigen Zwecken ein Heft seiner Gedichte in Druck. „Vater-
ländische Gesänge. Dem Frauenverein des Änclamschen Kreises gewidmet." Greifswald 1814. - Seine zahlreichen ungedrucktenGedichte, zum Theil von hohem poetischem Werth werden in Putzar aufbewahrt.