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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
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11.

Linie Schweriiisburg

(Tafel XII.)

1. Graf Hans Bogislav.

1683 1747.

(Siehe Tafel X. 31, Vater von No. 3 bis 6.)

geboren zu Löwitz 10. Juni 1683, seit 1695 bei seinem Oheim Dettlof (Taf. X. 23) im Haag erzogen,ward 29. November 1699 an der Universität Greifswald eingeschrieben und studirte dann in Leyden undRostock. 1702 trat er als Fähnrich in das Meklenburgische Regiment von Buchwald, welches zu denvon seinem Oheim befehligten Truppen in Brabant und Flandern gehörte; verliess 1704 den Dienst undbegleitete den Oheim nach Putzar. 1705 erhielt er noch unmündig die altväterlichen Lehen. 1 ) Nachdes Oheims Tode begab er sich 1707 an den Meklenburgisclien Hof nach Schwerin und war dort dreiJahre lang Kammerjunker. 2 ) Am- 8. October 1710 erbat er als solcher seine Entlassung, um die Ver-waltung seiner Güter zu übernehmen. 3 ' Es waren dies die Putzarschen Güter, welche ihm in Folgeeines Vergleiches vom 18. Juli 1708 mit seinem Bruder 4 ) Curd Christoph (Taf. X. 32) aus der Erbschaftseines Vaters und seines Oheims Dettlof 5 ' zugefallen waren, nämlich: Putzar, Glien, Sarnow, Boldekow,Zinzow, Cavelpass, Borntin, sowie Antheile in Rubenow, Wusseken, Drevelow, Thurow und Tetterin. 6 )Unter besonders schwierigen Verhältnissen führte er von Putzar aus die Wirthschaft während des nordischenKrieges in Pommern. Als Pommern diesseits der Peene durch den Flieden von Stockholm 1720 an Preussenkam, trat auch Hans Bogislav, dem das Landleben nicht anstand, V in den Preussischen Staatsdienst. KönigFriedrich Wilhelm I schickte ihn 1721 als Gesandten an den Hof des Königs August des Starken vonPolen nach Warschau und Dresden, und ernannte ihn 1723 zum Geheimen Rath bei dem neu errichtetenGeneral-Ober-Finanz-, Kriegs- und Domainen-Directorium in Berlin, als welcher er am 12. November 1723im Lehnbrief 8 ) erscheint. 1729 ward er auch Oberforstmeister der Mittel- und Altmark, sowie desRuppiner und Priegnitzer Kreises, und 1734 Landjägermeister.

Im letztgenannten Jahr verlieh ihm der König, welcher ihm sehr zugethan war, den Orden de lagenerosite und schenkte ihm einen Bauplatz im Thiergarten 9 ) nebst Baumaterialien im Werth von40000 Thalern 10 ), mit welchen er einen für damalige Zeit prächtigen Palast 11 ) erbaute. Auch gehörte er

1) U. B. II. 677. 2) Herzog Friedrich Wilhelm von Meklenburg vermachte ihm testamentarisch am 6. Juli 1713 für die

in seinen Diensten gemachten depensen 6000 Thaler. 3) Sein Abschiedsgesuch befindet sich im Geh. Archiv zu Schwerin. Es

heisst darin: Alsz lhro Hochf. Durchl. unser itziger Zustand in Pommern gar wohl bekandt, und ich auch vor einige Tage von meiner

Mutter Brieffe gehabt, worin sie mir schreibet, dasz es nicht allein itzo gar schlecht zustehe, sondern noch leyder täglich elender undtunerträglicher werde, so auch, dasz sie theils wegen ihr herannahendes Alter, theils auch wegen des vielen Verdrusses, sich nicht unter-stehet, meine Güter bey solchen schlechten conjunctures, wie sie bisz dato gethan, länger zu verwalten, sondern selbiges gäntzlich abzulegengesonnen. 4) 1708 erscheint er als Zeuge des Ehevertrages dieses Bruders und gibt demselben 1738 seine Zustimmung zum Ver-

kauf von Wittstock. U. B. II. 680, 706. 5) U. B. II. 678. 6) Seine Antheile in Wusseken, Drevelow, Thurow und Tetterinverkaufte er an seinen Bruder, den Feldmarschall (Taf. X. 32); dagegen legte er die Vorwerke Sophienhof und Charlotten-

lust an. 7) Adelung-Sprengel, Mscpt. 8) U. B. II. 695. 9) Berliner Hypotheken-Buch, vol. II. fol. 74. Fidicinus-Acten:

Topographie etc. 10) Eduard Vehse, Geschichte des Preuss. Hofes und Adels, 3. Theil. 11) Das Schwerinsche Haus lag in der

Wilhelms-Strasse No. 73 zwischen den Häusern des Kammergerichtsraths von Görne und des Kriegsraths von Kellner. Im März

1757 verkaufte es der Feldmarschall Schwerin (Taf. X. 32) als Vormund seiner Neffen an den Grafen von Wallis; später ge-

langte es an den Fürsten von Sacken, dann an die Familie Reimer; seit 1868 befindet sich das Ministerium des Königlichen

Hauses darin.

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