ZünfftcSBuch/ Kuchen - und Llrtzncy-Gartcn. 669
i^xvil.
Von Ribes - Stachelbeeren und Himbeeren.
Jsher haben wirvonden niedern/sowolunterals ober der Erden/ zur Kuchen und Artzney^ Garten-Gewächse gehandelt/ jetzt wollen wirdie Strauche/ Stauden undBaumlem sürstellen/ someistentheil in den Kuchen - und Artzney - Gärten zufinden sind ; und erstlich von den bekanntesten anfan-gen/ die edlern und rarern aber in den Blumen-Gartenverspahren.
Ribes-oder St.Johannis-Becr sind vielerley Gat,tungen; theils roth und sehr groß/aber aus dermassensauer/ doch zum Einmachen gut; theils kleiner ansäuer-licht und etwas lieblicher; theils gantz süß/ darum sieauch von etlichen kleine Rosinen.genannt werden;theüsweiß-gelblicht eines annehmlichen Geschmacks/ undtheils gantz schwach/welchezwar von etlichen genossen/von den meisten aber/ wegen ihres unfreundlichen Ge
mitRosen-Waßer vermischt/und sich damit gegurgelt/hilfst dem geschwollenen Zäpfflein. Es werden auchdiese gautze Träublein in Zucker eingemacht/ und alseineKühlung und Labung m hitzigen Krankheiten nütz-lich gegeben.
Rlosterbeer oder Ranchbeer Uv<, crispa , sindzwey oder dreyerley Gattungen/ klein und groß/weiß-gelblicht oder schwartz - roth und dunckelbraun. Dergrösten Art befieW man sich in den Gärten / werdengleicher Gestalt wie die Ribes-Beerlein gewartet undsortgepflantzet. Die unzeitigen Beeren werden meisten,theils wie die Agresten eingemacht/ geben indenKo-chen/ den zungen Fleisch und Hühnern/ emen lieblichenansäuerlichen Geschmack/werden auch also / ohne dieKerner/ in Zucker eingemacht / sind den Cholerischen
, . dompicxivnen gesund/widerstehenderGallen/löschen^
schmacks/ verachtet werden/ haben schier alle einerley 'den Durst; die eingemachten Beer sind den schwan-Blätter/ fast wie die Reben/aber kleiner / blühen im > gern Frauen wider die unnatürlichen Gelüste oder ?i-April und Majo/srüher oder später/ nachdem sie an der! zu gebrauchen/ sie erfrischen die Fäulung/ und sindSonnen oder imSchatten stehen/und werden zwischen ! mPestilenzialischen Fiebern eine Speiß und Artzneydem Junio und Julio gleichermassen zeitig/ sind in allen zugleich; den Melancholischen sind sie schädlich. DieseGarten zu finden/ und werden daselbst in Geländer ge- Staude ist sehr dauerhafftig'/förchtet wederKälte nochsetzt/ auch oben/und aufbeeden Seiten/ fo glatt und ar- Hitze / und kan alles Gewitter leiden und ertragen,lig nach derSchnur beschnitten/daß sie fast einer kleinen Wann diese Stauden von den grünen Würmernviereckichten Mauer sich vergleichen/damit sie mit ihrer ihrer Blätter / (wie osst geschiehet) bemubet werden /
zu viel sich ausspreitzenden Höhe und Breite den an-dern Garten-Gewächsen nicht veränderlich fallen.
Wo man sie aber an eine Mauer zieglen/ und freyaufwachsen lassen / auch unten am Stamm etwas be-schneiden kan/ daß sie wie ein Bäumlein aufschießen/ s»tragen sie mehr und bessere Beerlein; wann in den Ge-ländern dieWurtzen zu sehr ausschweissen/und man sol-che findet im Frühling/daß sie in die Better eingreissen/mag man sie behauen und abnehmen.
Ihre Vermehrung ist sehr leicht / entweder man zer-reißet im Herbst die Würtzen/und setzt sie weiter; oderman nimmt die Beyschößling und Brüt; oder manbricht oben die zarten Trieb im Herbstab/ die dasselbeJahrgewachsen / lässt eines Daumens oder zweenzwerch Finger lang vierdigesHoltzdaran/ macht einGräblein an das Ort/ dahin man sie haben will/ thutgute Erden darzu / und legt sie also ein; so wird ihnendie bald folgende Winter-Feuchten viel zum Wachs-thum helffen; die Aestlein dörffen über vier Finger hochnicht ausser der Erden seyn / und müssen in trockenerKalte / mit Erden angezogen seyn/ damit/ wann schondas Spitzlcin von der Kalte beleidigt würde/ man dochselbes auf kommenden Frühling bald/ bis auffrische/
soll man Verginischen oder gemeinen Tabac nehmen /eine viertel Stund in Regenwasser sieden/ und wannes kalt worden / diese Strauchlein damit besprengen /und die noch feuchten Tabac-Blätter daraufstreuen/ sowird dis Ungeziefer bald herab fallen; und wann mansin 14. Tagen zwey oder dreymal wiederholet/ nimmerwieder kommen/ wie der Königl. Novemer bezeuget.
Die Himbeer/bey den Lateinern Kubus i6-eus, undvon den Frantzosen k rsmbollcr genannt/ werden/ wiedie Ribes-und Klosterbeer-Stauden/ mit Wartungund Fortpfiantzung versehen/ wachsen auf dem Feld inden GeHägen / und sonderlich gern aufden Bergen /und lieben mehr kühle als heisse Lufft/werden imHerbst/im abnehmenden Monden / von der Brüt oder denWipffeln in den Gärten geziegelt.
Es ist noch eine ungemeinere Art/die AmericanischenHimbeer/ die aus der Provintz csnaäg kommen / denunsern fast gleich/aber ohne Stacheln/auch ist dieBlü-he grösser/röthlicht/ und eines anmuthigen Geruchs /wo es einmal beliebigen Stand gefasst hat/wuchert esdurch die Wurtzen starck fort.
Auch noch ist eine andere Art von Himbeer- Stau-den/ den rothen gemeinen fast gleich/ ohne daß sie weis-
abschneiden/und dasSträuchlein/von seinem endlichen 1 gelbichte Beer tragen / und also allein von den andern
Verderben/ erretten könnte.
Sie sind kalt und trocken im andern Grad / einersubtilenSubstantz (wie "l' abei-m-emontanuz bezeuget)und ziehen etwas zusammen/ sind derhalben dem Ma-gen gesund'/ wann er hitzig ist/ stellen und stillen dasBrechen/dienen wider die rothe Ruhr/widerstehen derFäule/löschen den Durst; mit Zucker wird ein liebli-cher dicklichter Safft daraus bereitet/welcher in schars-fen hitzigen Fiebern ein grosses Lob hat; dieser Safft/
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an derFarbe unterschieden sind. ^
Die gemeine Himbeeren haben eine HertzstarckendeKrafft in sich / dienen/ wie auch die Blätter zur Mund-Fäulen. Der daraus bereitete Essig ist gut in vergif-teter Lufft; wird auch ein Wein daraus bereitet.. Diesaubern Beer werden mit Hasel-Spane in ein FaßleinWein eingemacht / und mit gutem Most/oder vierdi-gen gutmWein angefüllt; hat alle obbeschriebeneTu-genden/sonderlich in Sterbens-Läuffter. zu gebrauchen.
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