— 474 —
Gallien eingewanderten Franken als ungeschriebenes Ge-setz erhalten hatten. Die Ordnung der ehelichen Güter-Verhältnisse hingegen, sowie das Erforderniß schriftlicherVerträge und die Beschränkung des Zeugenbeweifes sindzwar fremde, dem deutschen Volksthum wenig entsprechendeEinführungen, doch möchten sie sich ans dem heutigenGcsellschaftsverbande rechtfertigen lassen. Das Volk ge-wöhnte sich bald an die neuen Formen, und auch dieGemeindeverfassung, obgleich ihr das schönste Kleinod,die freie Wahl der Vertreter, das unsre Voreltern einJahrtausend hindurch mit rühmlicher Treue bewahrt hat-ten, fehlte, war für das Bedürfniß der Zeit geeignet,indem sie das engherzige Spießbürgerthum mit den übri-gen Gespenstern verbannte und die Verwalteten an dengrößeren Verband des Staates inniger anschloß, auch sichfür den Fortschritt und für die Schuldentilgung der Ge-meinden besonders feit dem Freiheitskriege bewälirtc,Höchstbeklagenswerth bleibt die Verschleuderung der Kirchen-güter, mit welcher schon die baierische Regierung begonnenHatte, indem sie viele Höfe mid Waldungen aufgehobenerKlöster statt sie für zeitgemäße wohlthätige Zwecke zu ver-wenden, in unwürdiger Hast zu Spottpreisen verkaufte.Napoleon verschenkte sogar viele dieser Güter zur Stif-tung von Majoraten an seine Günstlinge, und wenn auchKaussummen die Steuerlast milderten, und die Wieder-belebung der sogen, todten Hand und die Zertheiluug dergroßen Güter auf den Ackerbau günstig wirkten, so lassendoch diese augenblicklichen Vortheile den größern Nutzen,der dauernd hätte erwirkt werden können, nicht verschmerzen.Auch die Aufhebung der Bisthümer und die Vernach-lässigung der Kirche führte große Nachtheile. Wenn wirauch die Lüftung des Aberglaubens und die größere An-näherung der Bekenntnisse dankbar anerkennen, so müsse»wir uns doch leider gestehen, daß dies nicht sowohl ausrichtiger Anschauung der Verhältnisse, als vielmehr ausdeklagenswerther Frivolität hervorgegangen, die allesUebersinnliche zu verspotten gewohnt war- Daher auchdie Vernachlässigung und Verwüstung herrlicher Kirchen-